RTL-Dschungelcamp: Tag drei Kader Loth kommt das Sitzfleisch abhanden

Gesamtsituation? Unbefriedigend. Gesprächsthemen? Unter Kader Loths Niveau.

(Foto: Stefan Menne/RTL)

Florian Wess und Fräulein Menke diskutieren über Ausscheidungen. Und "Mallorca-Jens" verliert seinen Anstand.

TV-Kritik von Johanna Bruckner

Thema des Tages: Die Absonderlichkeiten des Körpers. Also im Sinne von: was der Körper so absondert. Also: Scheiße. Dem intellektuellen Ironisch-Gucker ziehen sich an dieser Stelle der Darm und die sonstigen Eingeweide zusammen. Der RTL-Cutter lehnt sich zurück und lässt einfach laufen - den Film, damit da keine Missverständnisse aufkommen. "Good morning, I'm awake", eröffnet Florian Wess den Tag im Camp "Snake Rock", von da an geht es bergab, sprachlich und in Sachen Niveau: "Now the day can begin." Er meint damit zunächst einmal biochronologische Notwendigkeiten. "Ich lass' mal kurz ein Schüsschen Urin ab. Haste nix dagegen?", spricht's und verschwindet auf dem Busch-Abort. Und hört noch, bevor der Vorhang fällt, Beruhigendes vom angesprochenen Fräulein Menke: "Selbst gegen braun hätt' ich nichts."

Wie gesagt: RTL jubiliert. Und schneidet, weil's so schön passt, noch ein anderes Gespräch dazu. Es unterhalten sich unten im Camp: Florian Wess, Fräulein Menke und Kader Loth. Nachdem Erstere die Morgentoilette bereits hinter sich haben, wissen sie um die nützlichen Informationen, die sich daraus ziehen lassen. Und ja, sie meinen damit das, was in der Schüssel zurückbleibt. Auf Details und Schlussfolgerungen zur geistigen Gesundheit der Kandidaten sei an dieser Stelle verzichtet - besser, als Kader Loth das tut, lässt sich die ganze Angelegenheit ohnehin nicht auf den Punkt bringen: "Du guckst auf deinen Kot drauf, wenn du auf der Toilette warst? Ich guck' nie drauf. Is' doch scheiße."

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Tragende Rolle: Der kurz vor einem Hulk-o-resken Ausbruch stehende Zen-Meister. Gespielt wird der Part von Markus Majowski, der nach eigener Aussage genug hat von der Ellenbogengesellschaft - er will der Welt Liebe geben. Bevor jedoch irgendjemand im "Base Camp" auf die Idee kommen kann, dem selbsternannten Happy Hippo das Bäuchlein reiben zu wollen, passiert die Sache mit der Matratze. Majowski gerät mit Mitcamperin Sarah Joelle Jahnel in Streit darüber, ob es egoistisch von ihr war, ihre Matratze vor der Durchnässung (Regen, damit da keine Missverständnisse aufkommen) bewahren zu wollen. Majowski findet: ja. Es fallen Sätze, die aus einem Diagnose-Lehrbuch für passiv-aggressive Eskalation stammen könnten.

"Ich versuche, das nur im Sinne von allen zu lösen." / "Wir können das gerne beilegen, das Thema." / "Ich verstehe gerade nicht, was du meinst, du greifst mich hier an."

Im "Dschungeltelefon" arbeitet Meister Majowski die Sache im kontemplativen Zwiegespräch mit der Kamera auf. Nicht aufbrausend zu sein, verlange einem ganz schön was ab, er habe in solchen Situationen des Zusammenreißenmüssens immer einen "eisigen Geschmack" im Mund. "Blut schmeckt nach Eisen, ne?"

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Über Verlust. Jens Büchner würde gerne Kilos loswerden, verliert dann aber das, was man anderswo Anstand nennen würde. Der deutsche TV-Dschungel ist nun mal der Ort, an dem Tugenden eine stinkende Währung sind: "Just take your shit and leave!" Was tut also ein notorisch blanker Mallorca-Auswanderer? Genau, er tauscht Intimitäten gegen Aufmerksamkeit. Eigentlich habe seine Frau ja Drillinge erwartet, erzählt der Mann, der jüngst Vater von Zwillingen wurde: "Wir haben eins verloren. Das haben wir nicht publik gemacht."

Und die Dschungelprüfung? Ist eine Mischung aus Zaubertrick und Streichelzoo - mit vertauschten Rollen. Die Prüflinge (Alexander "Honey" Keen und Gina-Lisa aus Team "Base Camp" gegen Hanka Rackwitz und Kader aus Team "Snake Rock") müssen bewegungslos in einer Kiste mit drei Kammern liegen, die eingesetzten Tiere dürfen krabbeln und kreuchen, bis der Proband "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" ruft. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Kader: keift und kneift.
  • Gina-Lisa: erzählt, dass sie in ihrem Leben mehrere Meerschweinchen hatte, "die hießen alle 'Schnucki'".
  • Hanka: hält durch und verliert trotzdem.
  • "Honey": holt den Sieg und disqualifiziert sich (siehe unten).

Tier des Tages: Die Ratte. Die, so versichert "Honey" der hyperventilierenden Gina-Lisa in der Dschungelprüfung, sei ein äußert soziales Tier. Der Mann kennt seine Feinde. Kurz zuvor hatte er seiner Mitstreiterin noch erklärt, wo er und alle Zuschauer ihre Hände am liebsten sähen: auf ihren Brüsten.

Satz für die TV-Annalen: "Ich sitze schon auf meinen Arschknochen." (Kader kommt das Sitzfleisch abhanden.)

Moral der Geschichte? Hingucken ist wichtig, weggucken manchmal unerlässlich - das weiß Kader und das wissen die Zuschauer. Alternativ bietet sich auch Weghören an. Oder wie es Fräulein Menke formuliert, als klar ist, dass Kader und Sarah Joelle die morgige Dschungelprüfung bestreiten werden: "Das wird [sic] wenigstens schöne Bilder."

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" TV-Kritiken zum Dschungelcamp 2017