RTL-Dschungelcamp: Tag 11 Die unerträgliche Dreistigkeit des Seins

"Was will er im deutschen Fernsehen?", fragt Chris Töpperwien. Er, Bastian Yotta (nicht im Bild), will das, was alle wollen. Aufmerksamkeit.

(Foto: TV Now)

Chris und Bastian fühlen sich provoziert - durch die bloße Anwesenheit des jeweils anderen. Leila kennt sich mit Würgereiz aus. Und Gisele ist raus.

TV-Kritik von Johanna Bruckner

Thema des Tages: die unerträgliche Dreistigkeit des Seins. "Currywurstmann" Chris Töpperwien und Muskelmann Bastian Yotta fühlen sich schon durch die bloße Anwesenheit des jeweils anderen provoziert. Es fing mit Beischlaf-Tipps und Anschwärzen bei der Bild-Zeitung an. Mittlerweile geht es um Existenzielles: um Realness. Chris hat "keinen Bock auf Showhasen hier". Bastian sagt: "Fake Fucker!" Zur Untermauerung der eigenen Wahrhaftigkeit wird wiederholt die schmutzige Wahrheit über den Gegner angedroht. Auf Ausführungen wartet der Zuschauer allerdings vergeblich. Den Machern des Formats kann natürlich vollkommen egal sein, wer hier authentisch ist und wer ein Aufschneider. Und ob vielleicht der ganze Streit inszeniert ist. Ein Narrativ weniger, das sich die Dschungelcamp-Redaktion ausdenken muss. An Tag elf reicht es, die vermeintlichen Intimfeinde auf eine nächtliche Schatzsuche zu schicken - und schon läuft alles nach Drehbuch. Also dem von Chris und Bastian.

Letzterer leitet ein mit: "Ist eine Herausforderung, weil wir vom Team weit entfernt sind. Möglicher­wei­se gibt's nur einen Überlebenden." Chris kontert: "Ich kann nicht performen, weil ich bin total deprimiert von der Anwesenheit." Im Anschluss machen beide eine Show, als ginge es tatsächlich um Leben und Tod. Evelyn Burdecki, von RTL zum Proleten-Puffer auserkoren, fürchtet dann auch um ihr körperli­ches Wohlergehen. "I have Ängst, ein bisschen. Ich hoffe nur, es kommen mindestens 24 Ranger mit." Doch die sind gar nicht nötig - im Schein der Schatzhöhlen-Infrarotkameras proben die Alpha­macker kurz darauf die große Aussprache. Es fallen versöhnliche Worte und sogar Fremd­wörter. Chris erklärt noch mal, dass er sich "persönlich und ethisch" angegriffen gefühlt habe. Bastian will alles nur "ironisch und sarkastisch" gemeint haben.

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In Nebenrollen: die übrigen Dschungelcamper. Chris und Bastian mögen einander nicht mögen, aber was sie noch weniger mögen, ist das Rampenlicht mit anderen zu teilen. Diese Erfahrung müssen sowohl Doreen Dietel als auch Evelyn Burdecki machen, die sich als Schlichterinnen versuchen. Doreen hört sich die Soße des "Currywurstmanns" geduldig an, und wagt es dann zu fragen: "Hast du ihm das so gesagt?" Chris reagiert ungnädig: "Ich hab' ihm das über Instagram mitgeteilt, und das reicht." Noch böser wird Evelyn vom bayerischen Beelzebub Bastian abgewatscht. Als sie während der Schatzsuche den Mund aufmacht und an die Challenge erinnert, fährt ihr der Yotta über selbigen: "Du kannst jetzt auch mal die Klappe halten. Wir haben gerade keine Challenge, Mädchen, wir haben ein ernsthaftes Gespräch!"

Und die Dschungelprüfung? Führt dazu, dass selbst bei Bobfahrerin Sandra Kiriasis das sprachliche Niveau den Eiskanal hinab schießt: "Ihr hättet das Arschloch ja ruhig mal rasieren können", entfährt es der Sportlerin während des Wettkampfs. Und nein, sie meint nicht Mitstreiter Bastian Yotta. Sandra hat einfach nur eine der gefürchteten Ess-Prüfungen erwischt. Unter anderem auf der Speisekarte in der "Sterneküche": Schweineanus. Es geht aber mitnichten nur um Ekel. Auch gesellschaftskritische Erkenntnisse kommen auf den Tisch. Als Bastian Pansen essen soll, bemerkt Leila Lowfire: "Isst mein Hund auch." Bastian erwidert: "Es ist ein Unterschied zwischen Mensch und Hund - nur nicht mehr heute."

Sie ahnen es, so tiefgründig bleibt es nicht. Unappetitliches drückt nach oben. Oder wie es Leila formuliert: "Man atmet halt immer gegen den Würgereiz, beim Essen und beim Oralverkehr." Bilanz der Atemübung: neun Sterne für damals noch neun Camper.

Wer ist heute raus? Gisele Oppermann. Sie sagt zum Abschied leise: "Na dann." Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.

Satz für die TV-Annalen: "Lippen sollte man küssen, aber möglichst nicht tunen." (Sagt Peter Orloff zum Thema plastische Eingriffe. Recht hat er.)

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Über prägende Kindheitserlebnisse. Der Yotta erinnert sich zurück an die Zeit, als er einfach nur Bastian war. Es ist eine Reise in eine schmerzhafte Vergangenheit. "Ich bin als Kind jeden Tag verprügelt worden, mit 'nem Stock", erzählt er im Schutz der Dunkelheit Camp-Kumpel Felix van Deventer. Sein Vater habe das Verhalten seiner Kinder anhand einer Plus- und Minusliste kontrolliert. "Wenn ich am Freitag mehr Plus hatte, dann durfte ich ins Kino gehen. Und wenn ich mehr Minus hatte, dann gab es zehn Stockhiebe." Die Schmerzen seien dabei nicht das Schlimmste gewesen, sondern die Ungewissheit. "Und dann vermittelt dir der Vater noch: Ich tu' das, weil ich dich liebe."

Bastian Yotta lässt die Zuschauer in diesem Moment ganz nah an sich ran. Vermutlich tut er das bewusst. Das macht seine Geschichte aber nicht zwangsläufig unglaubwürdig. Oder weniger schrecklich. "Es ist ein sehr ehrlicher und sehr sympathischer Mensch, der aber trotzdem einen Panzer hat, um sich zu schützen", sagt Felix. Es ist eine mögliche Wahrheit.

Moral der Geschichte? "Was will er im deutschen Fernsehen?", fragt sich Chris Töpperwien, und meint natürlich Bastian Yotta. Die Antwort: Das, was sie alle wollen - gesehen werden.

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