RTL-Dschungelcamp 2018 Tag 14 im Dschungel: "C'est la vie, wie der Engländer sagt"

Nicht nur der Zuschauer ist froh, dass Tina York noch um Camp ist - auch Daniele Negroni freut sich. Endlich wieder Kippen.

(Foto: RTL)

Tina York versagt in Geografie. Daniele Negroni triumphiert in der Dschungelprüfung. Und Matthias Mangiapane präsentiert sich als schlechter Verlierer.

TV-Kritik von Johanna Bruckner

Frage des Tages: Kann sie weg oder ist sie Kunst? Es geht natürlich um Tina York, 63, Schlagersängerin. Sie selbst hat eine klare Antwort auf die Frage: "Bitte vergesst mich und schmeißt mich raus!", appelliert sie zum wiederholten Male an die Zuschauer. Sie geniere sich mittlerweile, noch hier zu sein, erklärt sie Mitcamper Matthias Mangiapane. Mit "hier" meint Tina übrigens: in einem Team voller Leistungsträger. Das ist kein Witz. Tina hadert damit, dass sie bislang keine Dschungelprüfung absolviert hat - dabei durfte sie zu vielen aus gesundheitlichen Gründen gar nicht erst antreten. Dem Team ist sie auch so eine wertvolle Stütze. Tina verteilt regelmäßig und mit rührender Ernsthaftigkeit Komplimente an ihre chronisch verunsicherten Mitcamper. So mag das Gesicht von Tatjana Gsell für manche eine wirkungsvolle Warnung vor kosmetischer Chirurgie gewesen sein. Tina aber sagte über Tatjana: "Sie sah immer top aus."

Ihr Publikum fordert Tina mitunter heraus: Ist hier ein glänzender Verstand am Werk? Oder ein ermatteter Geist? So erklärt sie nach der Pantomime-Challenge: "Auf Toilettenspülung bin ich nicht gekommen. C'est la vie, wie der Engländer sagt." Und freut sich kurz darauf am Dschungeltelefon über ein Häufchen gemahlenen Kaffee: "Wahrscheinlich ist der sehr stark hier in Kolumbien."

Ob nun brilliante Kunst-Performance oder schlicht kaputter Kompass: Tinas Weg könnte direkt ins Finale führen. Auch an Tag 14 bleibt sie im Camp.

Gastbeitrag des verstorbenen Publizisten

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Willemsen war Fernsehmensch - und grandioser Fernsehkritiker. Zum Beispiel, wenn er sich Gedanken über das Dschungelcamp machte.   Gastbeitrag von Roger Willemsen

Tragende Rolle: die Bezugsperson. Es wird wohl nicht mehr nachvollziehbar sein, wann dieser Begriff seinen Weg ins Standardvokabular des Reality-Fernsehens fand. Fest steht: Er wird dort inflationär verwendet. In Formaten wie dem Dschungelcamp dient er zur Selbstvergewisserung: Ich bin doch irgendwie liebenswert. Und suggeriert außerdem, dass es hier um viel mehr geht als um mediale Aufmerksamkeit, mehr Instagram-Follower und Werbeverträge für windige Produkte. Nämlich um Zusammenhalt, ein Gruppenerlebnis, das Knüpfen lebenslanger Freundschaften.

Damit das irgendein Zuschauer glaubt, bieten die Camper ihr ganzes schauspielerisches Talent auf. Die am Vortag abgewählte Kattia Vides gibt im RTL-Van, der sie zurück in die Zivilisation bringt, zu Protokoll, dass sie ihre Camp-Familie vermissen werde. Da hat sich das Auto gerade einmal ein paar Meter vom Außenstudio Dschungelcamp entfernt. Zeitgleich sitzt Jenny Frankhauser am Lagerfeuer und träumt von einem baldigen Wiedersehen mit Kattia im Hotel Versace. Sagen wir es so: Die Liebe von Daniele Negroni zu seinen Kippen wirkt ehrlicher.

Und die Dschungelprüfung? Beginnt unter schlechten Vorzeichen. Daniele ruft den zurückbleibenden Campern von der Hängebrücke aus zu: "Ich bin guter Dinge!" Und fällt prompt seitlich in die Ketten. Doch dann passiert etwas, das selten geworden ist im Reality-Fernsehen mit seinen hochprofessionellen Mensch-Imitatoren: In der Dschungelprüfung zeigt ein junger Mann von schmaler Statur, der das Konterfei seiner Mutter als Tattoo auf der Brust trägt, etwas, das an echte Emotionen erinnert. Er ist nervös. Hat Angst. Beißt die Zähne zusammen. Spricht sich selbst Mut zu. Zieht durch. Und scheint am Ende selbst nicht richtig fassen zu können, dass ihm etwas gelungen ist im Leben.

Aber von vorne: Auf dem Boden eines Pools befinden sich mehrere Kammern, durch die Daniele entweder tauchen oder krabbeln muss. Unterwegs gilt es, Sterne zu finden und allerlei Getier zu ignorieren. Daniele schafft den Unter-Wasser-Parcours in den vorgegeben zehn Minuten und holt fünf von fünf Sternen. Zurück im Camp sagt er einen Satz von schlichter Schönheit: "Auf einer Skala von eins bis zehn? Ich bin, glaube ich, glücklicher als zehn."

Nur einer ist von Danieles Erfolg nicht berührt, sondern angefasst: Matthias Mangiapane guckt bei Danieles Freudentänzchen ums Lagerfeuer, als habe er gerade in eine Kotzfrucht gebissen. Er hatte dieselbe Prüfung vor etwa einer Woche abgelehnt. Akute Panik schon am Beckenrand.

Wer ist raus? Matthias Mangiapane. Das Publikum mag eines noch weniger als Verlierer, und das sind schlechte Verlierer.

Satz für die TV-Annalen: "Ich sage dir eines: Wenn ich sterbe, hinterlasse ich keine Schleimspur." (Tina York zum Thema Ehrlichkeit)

Moral der Geschichte? Ende gut, alles gut. Daniele Negroni darf endlich wieder rauchen und sagt: "Ich hoffe, dass ich jeden von der Produktion, wenn ich rauskomme, mal drücken darf." So viel Liebe hat RTL nicht mehr erlebt, seit die Traumhochzeit abgesetzt wurde.

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