Roland Tichy "Tichys Einblick" - die konservative Alternative

Unter den Autoren bei Tichys Einblick finden sich bekannte Konservative, aber auch Internetkrawallos.

(Foto: Tichys Einblick)

Der Ex-Chef der "Wirtschaftswoche" bringt sein eigenes Monatsmagazin heraus. Die Zielgruppe: Konservative, die sich bei anderen Medien nicht mehr gut aufgehoben fühlen. Das hat Erfolg.

Von Johannes Boie

In der Welt, die Roland Tichy ab sofort mit seinem Monatsmagazin Tichys Einblick beliefern wird, sieht man es so: Nicht Teile der Gesellschaft rücken nach rechts, sondern Politik und Medien rücken ständig nach links. Menschen, die so denken, sind Tichys Zielgruppe. Es ist also eine Marktlücke, die der Ex-Chef der Wirtschaftswoche hier zu füllen gedenkt, in Zeiten der Flüchtlingskrise ist sie so groß wie nie zuvor.

Der zum Unternehmer gewordene Journalist lächelt persönlich vom Titel. Innen stehen Texte, die bereits auf seiner Website publiziert sind. Daraus macht Tichy kein Geheimnis, im Gegenteil, er veröffentlicht von Nutzern im Netz verfasste Kommentare im Heft. Unter den Autoren finden sich bekannte Konservative wie Hugo Müller-Vogg, der als Kolumnist natürlich "gegen den Strom" schwimmen soll. Auch Bettina Röhl und Wolfgang Herles sind dabei, ergänzt um den ultralibertären FDP-Mann Frank Schäffler. Zur Riege der bekannten Namen gesellen sich Internetkrawallos wie Dushan Wegner, der Trump mit Merkel vergleicht, und Anabel Schunke, Studentin und Model, deren Vorteil es unter anderem zu sein scheint, dass man Texte von ihr mit Bildern von ihr bebildern kann.

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Gefühlt besteht das Blatt dementsprechend zu fünf Prozent aus Pegida, aus ein wenig Verständnis für die AfD gemischt mit unendlicher Enttäuschung über die CDU und Angela Merkel, vor allem aber aus journalistischem Ehrgeiz und Mut. Tichy kann es: Das zeigt sich an Details wie jenem, dass Tichy eine Videoproduktion zum Interview mit Opel-Chef Neumann stemmt oder auch am souveränen Interview mit FDP-Chef Christian Lindner.

Anzeigen kommen von Luxus-Maklern und Banken

Es zeigt sich auch ganz grundsätzlich am Plan des Mannes, der die Wirtschaftswoche im Streit verlassen hat: Sein neues Heft hat eine Auflage von 70 000, erste Abos sind verkauft, Anzeigen kommen von hochpreisigen Immobilienmaklern und Banken. Derweil versucht seine Nachfolgerin bei der Wirtschaftswoche, Miriam Meckel, sich mit Internetexperimenten zu profilieren, wie jener Idee, ein unsinniges Wort ("linkemeerheit") auf Twitter zu verbreiten, um so endlich zu beweisen, dass sich Unsinn im Netz verbreiten lässt.

Tichy positioniert sich seriös, profitiert aber selbstverständlich vom Pegida-Narrativ der "Lücken- und Lügenpresse". Es klingt nur vornehmer bei ihm: Sein Blatt, so schreibt er, sei "für Menschen, die die Nase voll haben vom bevormundenden Mainstream-Journalismus, die selber denken, die die Wahrheit vertragen". Das stimmt. Jedenfalls solange die eigene Wahrheit ist, dass Merkel dringend abgewählt werden muss.

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