"Rising Star" auf RTL Independence Day trifft Mini Playback Show

"Rising Star" auf RTL: "The Latonius" auf der Bühne bei der ersten Liveshow des Formats.

(Foto: Getty Images)

Um-die-Wette-Singen im Fernsehen ist ja nicht ganz neu. Wenn die Zuschauer aber per App für ihren Lieblingskandidaten abstimmen dürfen, weht auch bei RTL ein Hauch von neuen Medien durch die Kulisse. Der Eindruck von "Rising Star" bleibt trotzdem zwiespältig.

Von David Denk

Am Donnerstagabend hat RTL zwei Menschen zusammengebracht, die sich nie zuvor gesehen hatten. Ob die auch zusammenpassen, ist eine ganz andere Frage. Die Rede ist nicht von Thomas und Ricarda von "Adam und Eva - Gestrandet im Paradies", sondern von Roland Emmerich und Marijke Amado. Ja genau, der Hollywoodstarregisseur mit den krassen Special-Effects, Meister überwältigender Endzeitszenarien, und die Moderatorin der "Mini Playback Show", Meisterin im mütterlichen Streicheln kindlicher Egos.

"Alle waren Sieger - auch wenn einer nur gewinnen kann", sang Amado einst am Ende jeder Sendung. Etwa 20 Jahre später ist das Prinzip "Mini Playback Show" zurück. Bei der neuen, aus Israel importierten, RTL-Castingshow "Rising Star" singen die ersten neun von insgesamt 50 "Talenten" zwar selbst, aber die Juroren, die hier "Experten" heißen - namentlich Sasha, Anastacia, Gentleman und Joy Denalane -, scheinen zur Vorbereitung auf ihre Aufgabe alte "Mini Playback Show"-Videos auswendig gelernt zu haben.

"Wahnsinn", "unglaublich", "einfach großartig"

Auch nach mittelprächtigen Auftritten ist ihr Wortschatz ausschließlich affirmativ - "Wahnsinn", "unglaublich", "einfach großartig", "wonderful". Klar, das Format Castingshow lebt nicht zuletzt von der (wenn auch nur behaupteten) Begeisterung der Juroren, die sich auf die Zuschauer zu Hause übertragen soll. Sie wirken als Katalysator. Wenn allerdings ein vereinzeltes "Mir hat es gesanglich da wirklich gefehlt" von Joy Denalane der härteste Diss des Abends ist, riecht der Zuschauer den Braten. Und ist verstimmt.

Ach ja, und Roland Emmerich? Von dem hat sich der international erfolgreiche Setdesigner Florian Wieder offenbar beim Entwurf des Studios inspirieren lassen. Jedes Mal, wenn sich die zehn Tonnen schwere LED-Wand für einen Kandidaten hebt, wird der Raum mit Effekten wie aus "Independence Day" geflutet. Auch das Studio selbst sieht schon so aus, als wäre da ein goldglänzendes Ufo in Köln gelandet.

Das Kommando auf diesem Ufo hat - um im Bild zu bleiben - tatsächlich jemand, der ganz frisch ins RTL-Universum gebeamt wurde: Moderator Rainer Maria Jilg ist - wie auch Jan Böhmermann, der später am Abend mit "Was wäre wenn?" an den Start ging - ein Beleg dafür, dass die Privaten offenbar die eigene Nachwuchsförderung eingestellt haben und sich lieber bei den Öffentlich-Rechtlichen bedienen, die sowieso nicht wissen, wohin mit all den Talenten aus ihren Spartenkanälen und dritten Programmen.