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Fall Richard Gutjahr:BR-Rundfunkrat verteidigt Ulrich Wilhelm

Ulrich Wilhelm

Der Chef des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm

(Foto: Ralf Wilschewski)
  • Hat der BR seinen ehemaligen Mitarbeiter Richard Gutjahr ausreichend vor Hass und Drohungen geschützt - oder gar das Kontrollgremium getäuscht?
  • Der Vorsitzende des BR-Rundfunkrats, Lorenz Wolf, stellt nun seine Sicht dar. Man habe die Drohungen gegen den Journalisten "sehr ernst genommen".

Der Vorsitzende des BR-Rundfunkrats, Lorenz Wolf, hat seine Sicht auf den Fall Richard Gutjahr dargestellt. Die Geschäftsleitung des Senders habe, wie er wisse, den Fall des mit Hass und Drohungen konfrontierten Journalisten "sehr ernst genommen". Er selbst habe sich "in den vergangenen drei Jahren sehr intensiv mit der im Netz entstandenen Hetze und den daraus für Herrn Gutjahr und den BR entstandenen Probleme beschäftigt", erklärt der Vorsitzende des Kontrollgremiums auf SZ-Anfrage.

Daher wisse er, "dass der BR mehr getan hat, als rechtlich geboten war. Dass Herr Gutjahr sich etwas anderes gewünscht hätte", sei ihm "ebenfalls bewusst". Wolf ist katholischer Priester und leitet unter anderem das kirchliche Gericht der Erzdiözese München Freising. Er ist seit 2014 Rundfunkratsvorsitzender des BR.

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Richard Gutjahr, der 22 Jahre lang als "fester freier" Mitarbeiter für den BR arbeitete, hat vergangene Woche auf seinem Blog einen Brief an seinen ehemaligen Chef, dem BR-Intendanten Ulrich Wilhelm, veröffentlicht. Darin wirft er ihm vor, der Sender habe ihn nicht ausreichend im Kampf gegen Angriffe und Bedrohungen im Netz unterstützt, viele davon antisemitisch, die vor allem 2016 nach seinen Reportagen vom Terroranschlag in Nizza und dem Amoklauf im Münchner OEZ massiv wurden. Zudem wirft er Wilhelm vor, den Rundfunkrat in nicht-öffentlichen Sitzungen in der Angelegenheit getäuscht zu haben. Der BR wies Gutjahrs Kritik zurück.

Der Rundfunkratsvorsitzende Wolf teilte nun mit, er sei sich mit dem Intendanten einig darin gewesen, "dass der BR Herrn Gutjahr auf jeden Fall Unterstützung zukommen lassen muss - auch im Hinblick auf entstehende Kosten". Die Schwierigkeit habe dabei "von Anfang an in den Grenzen, die dem beitragsfinanzierten BR gesetzt sind", bestanden. Der BR "unterstützt Journalistinnen und Journalisten, die in seinem Auftrag tätig sind auch juristisch. In welcher Form dies sinnvoll und angezeigt ist, muss jeweils im konkreten Einzelfall überlegt und entschieden werden".

Der Sender wies Gutjahrs Vorwürfe als "im Kern nicht zutreffend" zurück

Gutjahr wirft Wilhelm vor, dieser habe laut Sitzungsprotokollen behauptet, Gutjahrs Prozesskosten seien vom BR beglichen worden. Laut Angaben des Reporters hat das seine eigene Rechtsschutzversicherung übernommen, die ihm allerdings nach einem Jahr gekündigt habe. In dieser Situation habe er sich an BR gewandt und zunächst eine Ablehnung erhalten. Erst, als er sich an einen Ombudsmann sowie an den Rundfunkratschef Wolf gewandt habe, sei ihm mit einer "einmaligen Zahlung, weniger als ein Monatsgehalt" vom Sender geholfen worden. Der Sender hatte Gutjahrs Vorwürfe als "im Kern nicht zutreffend" bezeichnet und "insbesondere den Vorwurf der Lüge und Täuschung durch den Intendanten strikt" zurückgewiesen.

Lorenz Wolf erklärt auf Anfrage, Wilhelm habe im Rundfunkrat ausweislich der Protokolle nie behauptet, dass der BR alle Rechtskosten getragen hat, "sondern nur, dass der BR Herrn Gutjahr unter anderem auch finanziell unterstützt hat". Im Jahr 2018 sei im Rundfunkrat einmal der Hinweis gegeben worden, "dass der BR Prozesskosten beglichen habe, deren Übernahme die Rechtsschutzversicherung von Herrn Gutjahr abgelehnt habe". Er kenne Wilhelms Haltung aus intensiven Gesprächen und habe "keinen Grund anzunehmen, dass der Intendant die Unwahrheit gesagt hätte".

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