bedeckt München 13°

Rhetorik-Check des TV-Duells:Die Moderatoren unternehmen nervige Störversuche

Die vier Moderatoren: Illner, Will, Klöppel und Raab

Ihre Stärken:

Stefan Raab tat gar nicht weh, er war sogar ein belebendes Element. Er blödelte kaum herum, sondern vertrat auf unterhaltsame Weise den Common Sense.

Ihre Schwächen:

Die Konstruktion dieser 4+2-Verhandlungen war, ist und bleibt Unsinn. Es hat auch diesmal nicht funktioniert. Es fehlt jede Konsistenz in der Gesprächsführung. Angela Merkel sagte einmal in dem Duell: "Wir müssen das jetzt erst mal ordnen." Und da hat sie recht, denn die vier Moderatoren tun es nicht.

Es herrscht viel zu viel Hektik und Durcheinander. Warum nicht mal eine halbe Stunde beim Thema Euro-Rettung bleiben - und wirklich verständlich über Positionen und Probleme reden? Durch ihre Sprunghaftigkeit und Überbevölkerung aber kommt es, dass die Moderatorenseite nervige Störversuche mit notwendigen Nachfragen verwechselt. Wird hier ein Programm Manöver nach Manöver abgearbeitet, oder geht es um politische Inhalte? So gelingt es jedenfalls nicht, komplizierte, aber wichtige Themen bürgernah zu erklären - ein Fehler, den man gerne den Politikern vorwirft, für den das journalistische Starquartett dieses Abends aber mindestens ebenso verantwortlich ist.

Fazit

Es war keine Sternstunde der demokratischen Debatte - für die das Fernsehen durchaus geeignet sein kann. Steinbrück hat sich wacker geschlagen, sah aber doch gegenüber Merkel zu kleinlich und miesepetrig aus. Es ist daher unwahrscheinlich, dass seine Angriffe beim TV-Duell der Kanzlerin groß schaden werden. Diese hatte das letzte Wort und wünschte allen noch "einen schönen Abend". Das ist beunruhigend harmlos angesichts der Herausforderungen der Zukunft - es wird aber wohl wieder Erfolg haben.

© Süddeutsche.de/sana/gba

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite