Rhetorik-Check des TV-Duells Merkel sagt einen ziemlich genialen Satz

Die Kanzlerin: Angela Merkel

Ihre Stärken

Merkel verströmt Souveränität, Ruhe und Selbstbewusstsein. Im Schluss-Statement sagt sie, an die Bürger gerichtet, den einfachen, aber rhetorisch ziemlich genialen Satz: "Sie kennen mich." Das verspricht Verlässlichkeit in schwierigen Zeiten. Es ist vielleicht der wirkungsvollste Satz im ganzen TV-Duell.

Nicht nur mit ihrer längeren Redezeit signalisiert sie: Ich habe das Heft in der Hand. Als Stefan Raab einmal dazwischengehen will, watscht sie ihn ab: "Das möchte ich gerade jetzt erläutern."

Überhaupt das Ich: Merkel ist gut im Versenden sogenannter Ich-Botschaften. Zum Beispiel: "Ich handle nicht erst und denke dann nach, ich mache das umgekehrt." Oder: "Ich sage: Eine Koalition muss dem Land dienen, nicht der Partei." Oder: "Ich habe entschieden" - als es um den Atomausstieg geht.

Merkel nutzt den Amtsbonus - und sie besitzt die Frechheit zur beruhigenden Banalität. Auf die Frage nach den künftigen Finanzierungsproblemen im Gesundheitswesen antwortet sie, man könne auf dieses doch "insgesamt stolz sein". Auf Versäumnisse beim Schuldenabbau hingewiesen, heißt es: "Da muss wirklich gearbeitet werden." Selbst die Brutalität der "Eigenverantwortung" der südlichen Euro-Länder klingt da irgendwie noch ganz nett.

Gerade mit ihrer gezielten Unverbindlichkeit erscheint Merkel nicht bloß souveräner, sondern einfacher, direkter und - im Vergleich - auch viel sympathischer.

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Ihre Schwächen

Merkels Pluspunkte sind leider nur relativer Natur. Ein rednerisches Feuerwerk hat sie auch nicht gerade abgeliefert. Ihr Witz, den sie ja hat, blitzte selten auf. Sie sah streckenweise recht abgekämpft aus - nach Arbeitssieg eben. Ihre Inhaltsleere grenzt gelegentlich ans demokratisch Skandalöse, woran aber auch die Journalisten nicht ganz unbeteiligt sind.

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