Katholische Kirche: Zeitungssterben "Rheinischer Merkur" segnet das Zeitliche

Rheinisch-hamburgische Kooperation: Die Bischofskonferenz will die katholische Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" der "Zeit" beilegen. Das spart Geld und kostet Jobs.

Von Christina Maria Berr

Journalistisch zu unabhängig - und dann auch noch teuer: Die katholische Kirche ergreift Initiative und will ihre in Bonn sitzende Wochenzeitung Rheinischer Merkur loswerden - über eine Kooperation mit der renommierten Wochenzeitung Die Zeit.

Internetauftritt der katholischen Wochenzeitung - gehört der "Rheinische Merkur" bald zur "Zeit"?

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Im Erfolgsfall könnte das Blatt sogar auch vom Zeit-Verlag übernommen werden. Diese Option, so wird derzeit diskutiert, hält man sich in Hamburg am Standort Speersort offen.

Der Verlag und die Redaktion der Zeit wollten dazu keine Stellungnahme abgeben. Bei der Bischofskonferenz wiederum will sich im Laufe des Dienstag dazu äußern.

Bereits am Montag wurden auf der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda wohl Fakten geschaffen. Das unter Auflagenschwund leidende Blatt gehört bislang hauptsächlich neun katholischen Bistümern, die Mehrheit wiederum liegt bei Bistümern in Nordrhein-Westfalen.

Angedacht ist offenbar ein raffiniertes Modell. Danach würde eine stark reduzierte Ausgabe des Rheinischen Merkur künftig der Zeit beigelegt werden, heißt es aus dem Umfeld des Verlags. Etwa sechs bis acht Seiten soll demnach der neue Merkur nur noch stark sein. Die bisherigen Abonennten des katholischen Blatts würden dann, so die Idee, zum Abo-Preis der Zeit eine Ausgabe des Hamburger Blatts mit eingelegtem Merkur bekommen.

Da der Abo-Preis des Merkur geringfügig günstiger ist, müssten die Abonnenten ein wenig mehr zahlen. Dafür haben sie auf einmal statt des Rheinischen Merkur das bisherige Konkurrenzprodukt aus Hamburg. Noch in diesem Jahr soll der Deal perfekt sein. Die tatsächliche Auflagengröße des Merkur dürfte dabei weit unter der publizierten Zahl von 64.000 Exemplaren liegen, wie es aus dem Umfeld heißt.

Für den Mini-Merkur ist nur noch eine Handvoll Redakteure notwendig. Die jetzige Redaktion mit zwei Dutzend Kräften würde also erheblich dezimiert, heißt es im Umfeld der Redaktion. Die Journalisten verweilen erst einmal bei ihrem Arbeitgeber.

Für die Zeit-Leser ändert sich überhaupt nichts. Der Merkur liegt nicht der Gesamtauflage der Zeit bei - auch das im Frühjahr neu geschaffene Ressort "Glauben & Zweifel" bleibt, wie es ist. Die Zeit, die den Brüdern Dieter und Stefan von Holtzbrinck gehört, könnte so aber weitere Abonnenten hinzugewinnen.

Eines wird durch diese Hucke-Pack-Lösung wohl nicht im Sinne der Kirchenoberhäupter gelöst werden: Die redaktionelle Selbstständigkeit. Das war bislang ein schwieriges Thema, da die Geistlichen sehr wohl gerne Einfluss genommen hätten. Diese Unabhängigkeit könnte in der Kooperation nun eher wachsen.

Der Rheinischer Merkur könnte, wenn alles gut geht, überleben im Wettbewerb der Wochenzeitungen. Vor 15 Jahren waren hier viele Verlage zugange. Aber erst übernahm Die Woche des Verlegers Thomas Ganske die Abonnentenkartei der früher in der DDR wichtigen Wochenpost, dann schließlich holte sich der Rheinische Merkur die Woche-Klientel. Und nun wird der Leserstamm womöglich Teil des Publikums der Zeit, Es kann sich aber auch um eine Beerdigung auf Raten handeln..

Hauptursache für den katholischen Kurswechsel war das Geld. Ein Blick in die Bilanz 2008 zeigt einen hässlichen Bilanzverlust von 286.000 Euro, nachdem es im Vorjahr noch zu einem kleinen Gewinn von 106.100 Euro gereicht hatte. Insgesamt lag der Jahresfehlbetrag bei 392.000 Euro. Für den Aufsichtsrat, wo etwa Dompropst Josef Alfers aus Münster oder Ordinariatsrat Klaus Koziol aus Stuttgart sitzen, häuften sich die schlechten Nachrichten.

Die evangelische Kirche hat ihre Bereinigung schon hinter sich. Im Jahr 2000 stellte sie ihre Wochenzeitung Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt ein. Die Nachfolge übernahm Chrismon, eine monatliche Magazin-Beilage in Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung, Schweriner Volkszeitung, Süddeutsche Zeitung und Der Tagesspiegel. Die Homepage des Rheinische Merkur hat unterdessen das eigene Schicksal als Thema nicht entdeckt. Hier gilt als Top-News, dass ein Kardinal beim Großbritannien-Besuch des Papstes selig gesprochen wurde.

Ein Bischof als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz war dabei, heißt es in einer Pressemitteilung der Bischofskonferenz.

Ist doch auch schön.

Der Mann, den sie Ted nennen

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