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Reuters beruft Chefredakteurin:Und dann auch noch eine Römerin

FILE PHOTO: Global News Editor of Reuters Galloni and Global editor-in-chief of AFP Bachorz attend meeting with Russian President Putin in St. Petersburg

Alessandra Galloni mit Boris Bachorz von der AFP 2016 in St. Petersburg.

(Foto: Grigory Dukor/Reuters)

Alessandra Galloni wird Chefredakteurin der Nachrichtenagentur Reuters - als erste Frau in 170 Jahren.

Von Oliver Meiler, Rom

Wieder fällt eine Männerbastion, nach 170 Jahren. Die internationale Nachrichtenagentur Reuters hat erstmals seit ihrer Gründung 1851 eine Frau zur Chefin gemacht, und wenn man sich nun in Italien ganz besonders darüber freut, fast ein bisschen provinziell patriotisch, dann hat das mit ihrem Geburtsort zu tun: Die Wirtschaftsjournalistin Alessandra Galloni, 47, ist in Rom zur Welt gekommen. Karriere aber hat sie im Ausland gemacht, das war wohl auch einfacher - in der italienischen Medienwelt sind Frauen in führenden Positionen noch seltener als anderswo. "Orgoglio italiano", italienischer Stolz, twitterte etwa Enzo Amendola, Italiens Staatssekretär für europäische Angelegenheiten. Dazu die Trikolore.

Galloni folgt auf Stephen J. Adler, der nach zehn Jahren als Chefredakteur nun in Rente geht. Sie wird einer Redaktion mit 2450 Journalisten an 200 Standorten vorstehen, verteilt über den Globus. Reuters betont, dass sie eine "extensive, globale Suche" durchgeführt haben, intern und extern, und sich dann für eine herausragende Kandidatin aus dem Haus mit einer "überzeugenden Vision für die Zukunft von Nachrichten" entschieden haben. Galloni war bisher Global News Editor, zuständig für die Korrespondenten. Man erwartet von ihr, dass sie das Geschäft weiterentwickelt, eine neue Webseite lanciert und Kosten senkt.

Galloni fühle sich geehrt, den "besten Newsroom der Welt" zu leiten

Mit seinem Nachrichtenzweig setzte der Mutterkonzern Thompson Reuters Corp. im vergangenen Jahr 628 Millionen Dollar um. Der Gewinn lag bei 73 Millionen, was als recht dünn gilt. Man steht hauptsächlich in Konkurrenz mit Bloomberg News auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformationen, mit Associated Press und der Agence France Presse für allgemeine Nachrichten und mit Getty Images bei den Fotos. Bei Reuters News findet man, das vergangene Jahr habe gezeigt, wie wichtig unabhängige und unparteiische Berichterstattung sei. Doch immer wieder gibt es Gerüchte, der Konzern könnte das Nachrichtengeschäft, das für etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes steht, bald verkaufen wollen.

Der viersprachigen Chefredakteurin eilt der Ruf voraus, eine charismatische Persönlichkeit zu sein. Galloni studierte Rechtswissenschaft in Harvard und legte einen Master an der London School of Economics nach, bevor sie für den italienischen Service von Reuters zu arbeiten begann. Dann wechselte sie für 13 Jahre als Wirtschaftsreporterin zum Wall Street Journal, für das sie in Rom, London und Paris stationiert war. Bekanntheit erlangte sie 2004 mit ihrer Berichterstattung über die spektakuläre Pleite des emilianischen Milchkonzerns Parmalat, für die sie auch ausgezeichnet wurde. 2013 kehrte sie zu Reuters zurück, war zunächst für Südeuropa zuständig und stieg dann auf in die Managementetage.

Sie fühle sich geehrt, den "besten Newsroom der Welt" zu leiten, sagte Galloni nach ihrer Berufung. Sie wird weiterhin in London leben und arbeiten wollen, obschon Reuters seinen Hauptsitz in New York hat.

© SZ/cag
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