Süddeutsche Zeitung

Serie "Resident Evil":Nach dem Ende der Welt

Lesezeit: 3 min

Videospiele, Comics, Hollywood-Filme - und jetzt auch noch eine Netflix-Serie? Warum "Resident Evil" seit 26 Jahren so erfolgreich ist - und weshalb die Apokalypse ein Heidenspaß sein kann.

Von Jürgen Schmieder

Hat sich eigentlich mal jemand gefragt, wie es nach dem Ende der Welt weitergeht? Es ist ja ein überaus beliebtes Sujet der Popkultur, die Welt an einen Abgrund zu führen. Seit vielen Jahrzehnten gibt es Filme, Bücher und Radio-Events wie "War of the Worlds" von Orson Welles. Es gibt Videospiele, Hörbücher und TV-Serien. Als Erdenbeender bieten sich Bedrohungen an wie ein Meteor, ein Nuklearkrieg, verrückte Professoren, geldgeile Firmen, Aliens, Monster oder Zombies. Und mit den Zombies wären wir auch schon bei Resident Evil, der eierlegenden Wollmilchsau dieses Genres.

Es gab mal dieses Videospiel Resident Evil aus dem Jahr 1996, in Japan bekannt unter dem Namen Biohazard. Die Story: Der Pharmakonzern "Umbrella Corporation" entwickelt den sogenannten T-Virus, der Leute in Zombies verwandelt und die Welt an den Abgrund führt. Der Spieler tötet die Zombies und im besten Fall am Ende einen humanoiden Supersoldaten - das Geniale damals: Es gab, abhängig von den Aktionen des Spielers an Knotenpunkten, stets verschiedene Ausgänge. Die Weltenrettung lag in seiner Hand.

Aus diesem Spiel (damals das meistverkaufte Playstation-Produkt der Geschichte) ist ein popkulturelles Phänomen geworden mit Videospielen, Hörbüchern, Zeichentrick-Serien, Comicbüchern und sechs Filmen mit Mila Jovovich in der Hauptrolle, die zwar von Kritikern grundsätzlich verrissen wurden, an den Kinokassen aber insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar eingespielt haben. Das mit dem Ende der Welt ist ein grandioses Geschäft, seit nunmehr 26 Jahren. Man ist allerdings doch ein wenig vorsichtig, wenn es heißt, dass es nun eine neue Serie auf dem Streamingportal Netflix geben wird. In der Ankündigung steht, dass man nicht unbedingt Vorkenntnisse brauche.

Die Handlung spielt in den Jahren 2022 und 2036, da war es vorbei mit der Welt

Die Befürchtung deshalb: Wie schlecht kann es werden? Wird es Afterlife-schrecklich? Das war der vierte Film, finanziell der zweiterfolgreichste. Der Film, den vor allem jene Zuschauer ziemlich cool fanden, die von Resident Evil zuvor keine Ahnung hatten. Manche haben ihn gar ohne Anfang und Ende gesehen, weil Fans ihn eher zum Groll von Regisseur Paul W. S. Anderson ins Netz gestellt hatten.

Eines deshalb gleich vorneweg: Diese Serie ist allerbeste Unterhaltung. Das liegt auch daran, dass sie zeigt, wie es nach dem Ende der uns bekannten Welt denn nun weitergeht.

Die Handlung spielt in den Jahren 2022 und 2036, und irgendwann dazwischen, da war es vorbei mit der Welt: Die Zombie-Apokalypse ließ sich offenbar nicht aufhalten. Die Geschichte beginnt in 2036, Jade Wesker (Ella Balinska) irrt durch eine verlassene Gegend. Was passiert ist? Das weiß man zunächst noch nicht, dem Ende der Welt nähern sich die acht Folgen nach dieser Ouvertüre von beiden Seiten aus - man erfährt, was zuvor geschah, und was anschließend.

Es kommen zahlreiche Ende-der-Welt-Elemente vor - das macht den Charme aus

Im Jahr 2022 ist die junge Jade (Tamara Smart) mit Zwillingsschwester Billie (Siena Agudong) gerade in New Racoon City (im ersten Videospiel wird Racoon City zerstört) angekommen, der Vater arbeitet für die Umbrella Corporation. Die beiden Teenager schleichen sich nachts ins Labor und lassen unabsichtlich einen infizierten Hund frei - ein augenzwinkernder Gruß an die Videospiele, in denen infizierte Hunde zu den verstörendsten Kreaturen gehören. Billie wird, natürlich, gebissen und so zu "Patient Zero".

Von da an springt die Handlung zwischen beiden Jahren hin und her, vereinfacht ausgedrückt: 2022 wird recht langsam erzählt. Wenn es für den Spannungsbogen Action und Horror braucht, geht es hinüber in die Zeit nach der Apokalypse. Es kommen zahlreiche Ende-der-Welt-Elemente (geldgeile Firma, gar nicht mal so verrückter Wissenschaftler, Zombies) vor, und wem das alles zu viel ist, der dürfte diese Serie für völligen Schwachsinn halten. Alle anderen, und genau das macht ja auch Charme und Erfolg der Filme aus, dürften einen Heidenspaß haben mit dieser ersten Staffel. Die ist, ohne zu viel zu verraten, so ausgelegt, dass es bei Erfolg gleich eine zweite oder noch viel mehr Staffeln geben könnte. Die Resident-Evil-Antwort auf die Frage, was eigentlich nach dem Ende der Welt passiert, ist seit 26 Jahren immer die gleiche: Die Menschen machen einfach weiter, und sie werden nichts gelernt haben.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5621367
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/aner
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.