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Reporterpreis:Bitte mit Beleg

Deutscher Reporterpreis

Gewinnerlächeln: Einige der Reporterpreisträger 2019.

(Foto: Reporterforum)

In Berlin sind die ersten Reporterpreise nach dem Fälschungsskandal um Claas Relotius vergeben worden. Über besondere Maßnahmen und die Wahl der Jury, die unter anderem die Recherche zur Ibiza-Affäre auszeichnete.

Weil sie die Ibiza-Affäre aufgedeckt haben, sind Journalistinnen und Journalisten von Spiegel und SZ am Montag mit dem Reporterpreis in der Kategorie Investigation ausgezeichnet worden. Im Mai hatten sie ein heimlich auf Ibiza gedrehtes Video öffentlich gemacht, das den damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigt. Im Gespräch mit einer vermeintlichen russischen Oligarchen-Nichte wirkt er darin recht anfällig für Korruption. Später musste er als Parteichef und Vizekanzler zurücktreten, die Regierungskoalition zerbrach.

Mehr als 90 Beiträge waren für den Reporterpreis nominiert, der in Berlin in elf Kategorien vergeben wurde. Dabei standen die Entscheidungen der Jury im ersten Jahr nach dem großen Fälschungsskandal unter besonderer Beobachtung. Ende 2018 war bekannt geworden, dass der Spiegel-Reporter Claas Relotius von Orten berichtet hatte, an denen er nie war, über Menschen geschrieben hat, die es nicht gibt, dass er Interviews manipuliert und Redaktionen wie Leser getäuscht hat - aber eben auch die Jury des Reporterpreises, die Relotius viermal ausgezeichnet hat.

Deshalb war in diesem Jahr an den Teilnahmebedingungen gefeilt worden: Wer einen Text einreichen wollte, musste den Recherchevorgang dokumentieren, Telefonnummern der Protagonisten beifügen und mit Überprüfungen rechnen. Als beste Reportage wurde Harald Maass mit einem Text zur digitalen Überwachung in China ausgezeichnet, der im SZ-Magazin erschienen ist. In der Kategorie Essay gewann Autorin Else Buschheuer für ihre Operationsgeschichte, ebenfalls aus dem SZ-Magazin. Die Jury sprach vom "lautesten Text des Jahres von einer Autorin, die sich persönlich stark exponiert". Patrick Bauer, Patrick Illinger und Till Krause gewannen in der Kategorie Wissen mit ihrem SZ-Magazin-Text über einen ALS-Forscher.

In der Kategorie Datenjournalismus wurde ein Beitrag des Tagesspiegel gekürt, in dem ein Team die Profiteure des Berliner Mietmarktes zeigt; mit ihrer Lokalreportage über "Die toten Babys von Neukölln" in der Berliner Morgenpost gewannen Martin Nejezchleba und Julius Betschka. Anna Kemper wurde für ihr Gespräch im Zeit Magazin mit der Tochter einer Erziehungskoryphäe im Nationalsozialismus prämiert, Gabriela Herpell für ihre Kulturkritik "Spiel mit dem Tod", die im SZ-Magazin erschienen war.

Politik Österreich "A bsoffene Gschicht"

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"A bsoffene Gschicht"

Wie der Rechtspopulist Heinz-ChristianStrache über ein heimlich aufgenommenes Video stürzte und wie die SZ an das Material kam. Ein Rückblick auf die Ibiza-Affäre.   Von Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer