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Relotius-Verfilmung:Lehrstück

Held und Autor: Der Reporter Juan Moreno.

(Foto: privat)

Die Ufa verfilmt die Geschichte des betrügerischen "Spiegel"-Redakteurs Relotius. Nach einer angekündigten, aber noch nicht erschienenen Buchvorlage von Juan Moreno, jenem Kollegen, der mit Relotius arbeitete - und die Fälschungen ans Licht brachte.

Von Christian Mayer

Er wollte die Zuschauer zum Lachen bringen, manchmal sollte ihnen auch das Lachen im Halse stecken bleiben: Das hatte Helmut Dietl im Sinn, als er die unglaubliche Geschichte der Hitler-Tagebücher verfilmte, die der Fälscher Konrad Kujau 1983 dem Stern angedreht hatte. Dietl wusste, wie das geht: Indem man die Sensationsgier der Medien, aber auch der ganzen Gesellschaft beschreibt. Indem man nicht nur den Hochstapler entlarvt, sondern auch jene, die einen solchen Jahrhundert-Schmarrn veröffentlichen und sich dafür feiern lassen. Der Film Schtonk! ist heute noch aktuell - weil er zeigt, wohin Größenwahn, pompöses Gehabe und Leichtgläubigkeit führen.

Im Gegensatz zu Schtonk! wird der neue Film über den preisgekrönten Journalisten Claas Relotius, der jahrelang den Spiegel und andere Medien mit seinen teils dreist gefälschten, teils sensationalistisch aufgehübschten Geschichten zum Narren hielt, wohl keine Komödie werden. Am Freitag gab die Produktionsfirma Ufa Fiction bekannt, dass sie die Filmrechte für das Buch des Reporters Juan Moreno erworben hat. Moreno, der für den Spiegel arbeitet, hatte den Fall Relotius aufgedeckt und den Kollegen mit seinen eigenen Recherchen zahlreicher Lügen überführt, bevor die Redaktion in Hamburg endlich reagierte. Lange bevor Morenos Buch "Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus" überhaupt auf dem Markt ist (der Rowohlt-Verlag plant die Veröffentlichung für Herbst diesen Jahres), laufen also schon Vorbereitungen für die Verfilmung: Schnell zuschnappen, bevor die Konkurrenz dran ist, scheint das Motto zu sein. Irgendwie passend zum Thema.

Als Produzent steht Sebastian Werninger bereit, der gerade mit Der Junge muss an die frische Luft einen Millionenerfolg im Kino hatte und an Serien wie Deutschland 83 und Unsere Mütter, unsere Väter beteiligt war. Was die Ufa aus dieser Hochstapler-Geschichte macht? Die Zeiten sind hart geworden im Journalismus: Als Helmut Dietl seine braune Seifenblase zerplatzen ließ, hatte das Publikum seinen Spaß. Heute müssen die Medien um vieles kämpfen, um Aufmerksamkeit, um Glaubwürdigkeit, ums Überleben. Deshalb dürfte der Relotius-Film eher ein Lehrstück werden, bestens geeignet zur Abschreckung.

© SZ vom 30.03.2019
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