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Reaktionen zum Tod von Frank Schirrmacher:"Die Kultur verliert einen Freund"

Trauerfeier für Marcel Reich-Ranicki

Frank Schirrmacher, Herausgeber und Feuilletonist der FAZ, auf der Beerdigung von Marcel Reich-Ranicki 2013

(Foto: picture alliance / dpa)

FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher ist im Alter von 54 Jahren gestorben. Unzählige Menschen bekunden in den sozialen Netzwerken ihre Trauer. Die Reaktionen im Überblick.

Frank Schirrmacher, einer der fünf Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ist an diesem Donnerstag verstorben. Der 54-Jährige war unter anderem für das Feuilleton der Zeitung verantwortlich. Wie die FAZ mitteilte, starb Schirrmacher an den Folgen eines Herzinfarkts.

Binnen kurzer Zeit bekundeten Hunderte Menschen via Twitter ihre Trauer. "Ohne Frank Schirrmacher wüssten wir weniger zum Thema Internet und die Debatte darüber wäre nicht halb so spannend und schön gewesen! Danke", schrieb Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Grünen-Franktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckart twitterte: "Einer der wichtigen Intellektuellen und bedeutenden Journalisten ist tot."

Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zeigte sich erschüttert über Schirrmachers Tod. "Das ist eine fürchterliche Nachricht", sagte der Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler in einer ersten Reaktion. "Deutschland hat einen großen Publizisten und Intellektuellen verloren. Und ich einen Freund." Hessens SPD-Chef und Bundes-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel twitterte: "Schirrmacher war eine große Bereicherung in jeder Debatte." Und: "Sein Verlust wiegt sehr schwer. Er wird uns fehlen."

"Wir trauern um einen großen und leidenschaftlichen Zeitungsmann"

"Als Mitherausgeber hat er das Profil der FAZ maßgeblich und erfolgreich mitbestimmt", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Auch als Autor habe er die deutsche Medienlandschaft an den Schnittstellen zwischen Feuilleton, Politik und Wissenschaft geprägt. "Die Kultur verliert einen Freund. Seine Lust an der Kontroverse, an Widerspruch und Querdenken, aber auch sein Vertrauen in den Menschen werden uns sehr fehlen."

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken (DJV), sagte: "Das ist ein Riesenverlust für die deutsche Medienlandschaft." Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), schrieb: "Die Nachricht vom Tod Frank Schirrmachers hat uns tief erschüttert. Wir trauern um einen großen und leidenschaftlichen Zeitungsmann. Der BDZV hat einen Freund verloren, der mit seiner scharf analytischen und zugleich visionären Kraft für die Zeitungskultur in Deutschland noch so vieles hätte tun können."

Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor sagte: "Frank Schirrmacher war ein scharfsinniger Analytiker gesellschaftlicher und medialer Prozesse. Deutschland verliert einen herausragenden Publizisten und Vordenker." WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte Schirrmacher als große Persönlichkeit. "Die Nachricht vom Tode Frank Schirrmachers ist ein Schock für mich persönlich", erklärte Buhrow. Er habe ihn als einen der anregendsten Gesprächspartner schätzen gelernt - mit einem kritischen, aber immer wertschätzenden Blick auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk."

Blogger Sascha Lobo schrieb bei Twitter: "Ruhe in Frieden, lieber Frank Schirrmacher." Publizist Jakob Augstein notierte bei dem Kurznachrichtendienst: "Es gibt wirklich nicht viele Leute, von denen man sagen kann, sie seien unersetzlich. Er war einer."

Viele Journalisten haben mit ausführlichen Nachrufen an Schirrmacher erinnert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nimmt in einem ganzseitigen Artikel Abschied. Unter dem Titel "Ein sehr großer Geist" ehrte sie den "sprach- und wirkmächtigsten Kulturjournalisten, den Deutschland je hatte". "Jeder ist ersetzbar, heißt es immer", schreibt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. "Im Falle von Frank Schirrmacher stimmt das nicht." Sein Tod hinterlasse "keine Lücke, sondern einen Abgrund." Der frühere Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust sagte dem Hessischen Rundfunk: "Schirrmacher war der Klügste unserer Generation." Er sei grenzenlos uneitel gewesen, sehr kooperativ und "wahnsinnig klug".

"Feines Gespür für Zukunftsthemen"

Auf der Webseite der FAZ heißt es in einer kurzen Mitteilung: "Mit einem feinen Gespür für Zukunftsthemen und einer großen Gabe zur immer inhaltlich fundierten Zuspitzung ausgestattet, machte er die Zeitung früh zum Meinungsführer bei Fragen der gesellschaftlichen Bedeutung der Gentechnik, des demographischen Wandels und der Digitalen Welt." Schirrmacher sei "einer der scharfsinnigsten und profiliertesten Journalisten und Intellektuellen des Landes" gewesen.

Schirrmacher wurde 1959 in Wiesbaden geboren und studierte später Germanistik und Anglistik in Heidelberg sowie Philosophie und Literatur in Cambridge. Nach einer Dissertation über Franz Kafka hospitierte er bei der FAZ und wurde 1985 Feuilleton-Redakteur der Zeitung. 1994 wurde er als Nachfolger von Joachim Fest in das Herausgebergremium berufen.

Bekannt wurde Schirrmacher außerdem als Autor von Büchern wie "Das Methusalem-Komplott" (2004), in dem er sich mit dem Problem der Überalterung auseinandersetzte, und zuletzt "Ego" (2013).