Comedyserie:Zwischen Millennial-Problemen und Glaubensfragen

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Ramy (Ramy Youssef) sieht vieles ganz anders als seine Mutter (Hiam Abbass) und sein Vater (Amr Waked).

(Foto: Craig Blankenhorn/Hulu)

"Ramy" von Comedian Ramy Youssef wirft so wild mit Stereotypen um sich, dass jeder etwas abbekommt. Und umgeht Klischees mit großartigem Humor.

Von Luise Checchin

Wie flirtet man in einer Moschee? Das fragt sich der Endzwanziger Ramy, weil ihn sein Umfeld einmal mehr beschworen hat, endlich eine Frau zu finden, bevor sich sein Lockenschopf lichtet und die Chancen auf dem Heiratsmarkt endgültig minimiert sind. "Es sind noch genau zwei heiße muslimische Mädchen übrig in der Stadt, und auch die werden bis Jahresende vergeben sein", macht ihm sein Kumpel Mo klar. Nur weiß Ramy nicht, wie er an die herankommen soll. Er könne schlecht sagen: "Hi, kann ich die Nummer deines Vaters haben?", beklagt er sich bei seiner Mutter - die den Spruch eigentlich ganz gut findet.

Die Hulu-Produktion Ramy reiht sich ein in ein altbekanntes Genre: Ein Comedian macht eine Comedy-Serie, die in groben Zügen an das eigene Leben angelehnt ist - von Larry Davids Curb Your Enthusiasm bis zu Aziz Ansaris Master of None fallen einem da Dutzende Beispiele ein. Zumindest inhaltlich ist Ramy letzterem am nächsten, denn so, wie Ansari in Master of None sein Leben als Kind indischer Einwanderer in den USA thematisiert, erzählt der Schauspieler und Comedian Ramy Youssef in Ramy, wie es ist, als ägyptisch-palästinensisch-stämmiger Amerikaner in New Jersey aufzuwachsen. Der Konflikt der hart arbeitenden Eltern, die ihren Kindern ein gutes Leben in der neuen Heimat ermöglichen wollten und nun irritiert sind, dass diese Kinder eine andere Vorstellung vom guten Leben haben als sie, taucht in beiden Serien auf.

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Im Gegensatz zu Ansaris Alter Ego ist der Serien-Ramy gläubiger Muslim. Nur ist er eben auch ein Millennial, der Sex vor der Ehe hat und es nicht so streng mit der rituellen Waschung vor dem Gebet nimmt - zum Unmut eines konservativeren Gemeindemitglieds. "Wenn du dich nicht zwischen den Zehen wäschst", droht der, "wird es der Teufel tun."

Ramy wirft so wild und geschickt mit Stereotypen um sich, dass in ausgleichender Gerechtigkeit jeder etwas abbekommt, auch Ramys ignoranter Start-up-Chef, der sich bedankt für das "maritime Flair", das er ins Unternehmen bringe. Und auch beim linksliberalen Ramy gibt es eine Doppelmoral: Als er endlich eine Muslimin mit Heiratspotenzial gefunden hat, stellt die sich nämlich als sexuell äußerst selbstbestimmt heraus - und Ramy merkt, dass ihn, anders als bei nicht muslimischen Frauen, mit denen er Sex hat, diese Selbstbestimmung irritiert.

Trotz aller Überspitzung verkommen die Figuren nie zu Karikaturen. Ganz selbstverständlich - und deshalb großartig - fügt Youssef der der US-amerikanischen Serienlandschaft eine Perspektive hinzu, die lange gefehlt hat: die eines jungen Mannes, der mit seinem Leben und seiner Religion hadert, der in Fettnäpfchen tritt, mitunter Diskriminierung erfährt und von seiner Mutter genervt ist. Ein Protagonist, der vielschichtig und widersprüchlich ist, muslimisch - und vor allem ziemlich witzig.

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© SZ vom 19.12.2019/tmh
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