bedeckt München

Radiokunst:Hörspielregisseur Norbert Schaeffer gestorben

Von Stefan Fischer

Der Hörspielregisseur Norbert Schaeffer hat bis zuletzt gearbeitet: Er hat aus Siegfried Lenz' Roman Der Überläufer eine Radiofassung destilliert, das Hörspiel lief in der Karwoche parallel zum TV-Zweiteiler. Er hat damit ein letztes Mal bewiesen, dass er - diesmal nur als Bearbeiter, meistens jedoch zugleich als Regisseur - literarische Stoffe so präzise wie kaum ein anderer im Radio umsetzen konnte. Weil er ein besonderes Gespür für Tonalität und Rhythmus hatte, weil er die jeweiligen Qualitäten einer Vorlage herausgestrichen hat, statt sie mit eigenen Einfällen zu überfrachten. Und weil er sehr geschickt darin war, akustische Räume zu schaffen, die das richtige Maß hatten für die Geschichten, die sich darin abspielen.

Ausgebildet beim Saarländischen Rundfunk, hat Schaeffer seit 1984 als freier Hörspielregisseur gearbeitet, ehe er von 2006 bis zu seiner Pensionierung 2014 die Hörspielabteilung des NDR geleitet hat. Bereits eine seiner ersten Inszenierungen, Wallraff kommt, wurde ausgezeichnet, als Hörspiel des Monats. Den wichtigen Hörspielpreis der Kriegsblinden gewinnen Autoren, doch ohne die Regisseure hätten sie nichts zu gewinnen. Zwei Inszenierungen Schaeffers wurden prämiert, 1990 Ein Nebulo bist du von Jens Sparschuh und 1993 Sense von Werner Fritsch.

Norbert Schaeffer hat unter anderem David Grossmanns Eine Frau flieht vor einer Nachricht, Daniel Kehlmanns Geister in Princeton, Philip Roth Empörung und Alfred Döblins November 1918 als Hörspiele realisiert. 2007 hat er außerdem gemeinsam mit fünf Kollegen Günter Eichs Hörspielklassiker Träume neu inszeniert. Ihm war immer wichtig, dass die Adaptionen als eigenständige Kunstwerke wahrgenommen werden und nicht bloß nacherzählen. Das ist ihm gelungen.

Am Dienstag ist Norbert Schaeffer im Alter von 71 Jahren gestorben.

© SZ vom 24.04.2020
Zur SZ-Startseite