Radio Yamana-Sound

Ein wunderbares Hörspiel erzählt von dem indigenen Jungen aus Feuerland, der im Jahr 1830 für einen Knopf aus Perlmutt verkauft wurde - und aus dem der Schriftsteller Michael Ende später den weltberühmten Jim Knopf gemacht hat.

Von Stefan Fischer

Ein Knopf aus Perlmutt - für diesen läppischen Preis hat die europäische Besatzung der Beagle im Mai 1830 in Feuerland einen Menschen gekauft. Als ob das nicht bereits Hohn genug wäre, haben sie den Jungen vom Stamm der Yamana Jemmy Button genannt. Seine Würde hat der Indigene erst mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod zurückerhalten, als er zu einer liebenswürdigen literarischen Figur geworden ist: Michael Ende hat ihn sich zum Vorbild genommen für den gewitzten Jim Knopf.

Ulrike Haage und Andreas Ammer leisten mit dem Radiostück Die Toten von Feuerland nun auch einen Beitrag zur Rehabilitierung von Orundelico, wie jener Button eigentlich geheißen hat. Ein "Hörspiel mit Handlung" nennen sie ihre Produktion kokett. Die beiden springen durch die Jahrzehnte, bringen Button mit dem Evolutionsforscher Charles Darwin zusammen, der ein Jahr später, 1831, mit der Beagle in See stach zu seiner berühmt gewordenen Expedition. Jahrzehnte später wird Button der Prozess gemacht. Er soll, zurück in Südamerika, Europäer ermordet haben.

Hörspiel mit Handlung, das meint eher: Jede Handlung hat weitreichende Folgen, und davon erzählt Die Toten von Feuerland. Im Kern ist es die Geschichte einer Entwurzelung. Button soll zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft gemacht werden. Das geht natürlich, so glauben die selbsternannten Herrenmenschen, nur in England. Das Projekt scheitert am Eigensinn des Patagoniers.

Nicht lange nach Jemmy Button sind beinahe alle Yamana tot. Der Stamm ist im Grunde ausgerottet. Darwins Theorie vom Überleben des Stärkeren wurde grausame Praxis. Haage und Ammer erzählen nicht nach, was man ohnehin weiß oder ahnt. Sondern vollziehen ohne moralische Schwere ein Erweckungsritual: Wesentlicher Bestandteil ihres Hörspiels sind originale Ton-Aufnahmen der Yamana. Die erklären nichts, öffnen jedoch ein Fenster in jene Zeit, als dieses Volk noch existiert hat. Man hört ihre Sprache, deren Melodie. Die Yamana werden von einer Handelsware wieder zu Menschen. Das ist in Perlmutt nicht aufzuwiegen.

Die Toten von Feuerland, NDR Kultur, 20 Uhr.