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Radio-Tatort:Eingepfercht in der Großstadt

Bibiana Beglau spielt die Kommissarin im neuen Ermittler-Duo.

(Foto: Robert Haas)

Im Radio-"Tatort" des BR ermitteln neue Kommissare.

"Koloman 12, bitte kommen!" - In bislang jedem Radio-Tatort des BR war dieser Funkspruch zu hören. Denn mit dem derart codierten Streifenwagen waren die Polizeiobermeister Senta Pollinger und Rudi Egger, gespielt von Brigitte Hobmeier und Florian Karlheim, immer im fiktiven Bruck am Inn unterwegs. Koloman 12 war der mobile Hauptschauplatz dieser Krimis von Robert Hültner.

In den bayerischen Radio-Tatorte n ermitteln nun neue Kommissare, und so gut wie ihre Vorgänger haben es die beiden nicht: Jacqueline Hosnicz und Jakob Rosenberg fahren nicht durchs idyllische Voralpenland. Ihr Erfinder, der Autor Franz Dobler, hat sie vielmehr in ein Münchner Kellerbüro gepfercht, von dem aus sie fortan arbeiten.

Das scheinen sie sich redlich verdient zu haben, dieser Auffassung sind zumindest ihre Vorgesetzten. Selbst Johannes Silberschneider, der den Jakob Rosenberg spielt, sagt in einem kleinen Video auf der Hörspiel-Webseite des BR über die beiden Figuren: "Wir sind wirklich üble Drecksbullen." Rosenberg ist korrupt; und auch wenn man ihm das nicht nachweisen kann, hat es doch für die Abschiebung in den Keller genügt. Als "Akten-Made" schmäht Bibiana Beglau diesen Kerl. Sie spielt dessen neue Untergebene. Einen Einsatz hat sie derart vermasselt, dass sie vorübergehend suspendiert war. Überhaupt scheint sie nicht die Steteste zu sein; mitunter geht sie abends zu lange aus.

Hosnicz und Rosenberg bekommen ungelöste Fälle, die ausermittelt sind, deren Akten aber noch nicht geschlossen werden können. Eine ergiebige Konstellation, die dänischen Krimis von Jussi Adler-Olsen um Carl Mørck und das Sonderdezernat Q sind so angelegt oder auch die britische Slough House-Reihe von Mick Herron.

Zwei Polizisten, die mit sich selbst nicht im Reinen sind, mit dem Polizeiapparat über Kreuz liegen und sich als Team erst einmal akzeptieren müssen, angesiedelt in einem urbanen Milieu und nicht mehr in der Provinz: Die neue Konstellation ist ein bewusster Kontrast zu bisherigen bayerischen Radio-Tatorten. Nach elf Jahren in Bruck am Inn sei es an der Zeit gewesen für einen Ortswechsel, so die Hörspielleiterin des BR, Katarina Agathos. "Bestimmte Fallkonstruktionen lassen sich im ländlichen Raum nicht ansiedeln." Überdies war der Beziehung von Senta Pollinger und Rudi Egger, die getrieben war von der Angst davor, ein Paar zu werden, kaum noch eine neue Wendung abzugewinnen.

Nun also ein Messermord im Münchner Bahnhofsviertel, eine Spur weit zurück ins linke Studentenmilieu von 1968 - und Ermittler, die viel Zeit zum Stöbern haben. Der Krimi, inszeniert von Ulrich Lampen, hat trotzdem Zug, er hält die überaus beliebte Reihe vital: Jeder Radio-Tatort erreicht über die Ausstrahlung in allen neun ARD-Anstalten und die Downloads etwa eine Million Hörer. Dementsprechend gibt es naturgemäß auch Fans, die empört sind über das Ende der Brucker Krimis. Tendenziell sind die Radio-Tatorte jedoch ein bisschen zu brav, mitunter auch eingefahren. Ein neues, spannungsgeladenes Team tut der Reihe allemal gut.

Radio-Tatort: Mörder und Gespenster, Bayern 2, 20.05 Uhr. Außerdem u. a. WDR 3, Freitag, 19.04 Uhr; SWR 2, Freitag, 22.33 Uhr; NDR Info, Samstag, 21 Uhr; RBB Kultur, Montag, 22.04 Uhr. Als Download in der ARD-Audiothek sowie im Hörspielpool des BR.

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