Radio Schmeichelhaft

Was wäre, wenn es Tonbandmitschnitte gäbe? Ein Hörspiel malt sich ein Treffen von vier Geistesgrößen aus, die von den Nationalsozialisten hofiert wurden: Gustaf Gründgens, Wilhelm Furtwängler, Ferdinand Sauerbruch und Carl Schmitt.

Von Stefan Fischer

Hermann Göring, selbst einer der eitelsten führenden Nationalsozialisten, berief neben etlichen verdienten NSDAP-Mitgliedern auch ein Quartett international renommierter Männer in den "Staatsrat": den Schauspieler Gustaf Gründgens, den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, den Chirurg Ferdinand Sauerbruch und den Staatsrechtler Carl Schmitt, die ihre Karrieren vor dem "Dritten Reich" begonnen hatten, diese aber während der NS-Herrschaft an Fahrt aufnahmen - und 1945 recht nahtlos weitergeführt werden konnten.

Belegt ist ein Treffen der Männer für das prestigereiche, aber funktionslose Gremium nicht, Helmut Lethen malt sich Zusammenkünfte in seinem Buch Staatsräte aus. Frank Hertweck und Manfred Hess haben die historische Fiktion nun fürs Radio inszeniert und gaukeln vor, es gäbe Tonbandmitschnitte. Ein Was-wäre-wenn-Spiel, in dem sich die vier zu allerlei versteigen: zu kruden Theorien wie haarsträubenden Rechtfertigungen der eigenen Verstrickung. Das Hörspiel klagt nicht in erster Linie an. Es stellt ein System aus, in dem sich Bedenkenlosigkeit, Geltungsdrang, Opportunismus und Bauernschläue zu einer fatalen Mixtur verbinden. Und sich die Umschmeichelten des zentralen Punktes nicht ausreichend bewusst sind: ihres Hofnarrentums.

Staatsräte, SWR 2, 22.03 Uhr.