Radio in Österreich Mozart, Falco und FM4

Fans von FM4 gingen für ihren Radiosender sogar schon in den Sitzstreik. Jetzt feiert das österreichische Jugendprogramm 20-jähriges Jubiläum. Das Erfolgsrezept? Der Mangel an Alternativen.

Von Wolfgang Luef

Es gibt drei Dinge, die das musikalische Bild Österreichs in Deutschland prägen: Mozart, Falco und FM4. Eine Auswahl, mit der die Österreicher eigentlich ganz zufrieden sein können. Diesen kleinen Witz erzählt man sich in München schon seit ein paar Jahren, vielleicht schon seit fast zwanzig, denn so lange gibt es Punkt drei auf der Liste: FM4, das öffentlich-rechtliche Jugendradio des ORF.

Auch wenn FM4 vielleicht nie der "beste Sender der Welt" (taz) oder "zukunftsweisend" (FAZ) war, so ist er auch nach 20 Jahren noch ein Unikum in der deutschsprachigen Radiolandschaft: Ein Formatradio, das so gar nicht nach Format klingt; ein Ort, an dem man tatsächlich noch neue Musik entdecken kann; ein Sender, der neben Liedern und Wortbeiträgen auch gleich eine Art Lebensgefühl mitliefert.

Die Identifikation seiner Hörer mit dem Sender geht so weit, dass der Ausdruck "FM4-Musik" in Österreich ein stehender Begriff geworden ist. In Deutschland würde man vielleicht "alternativer Mainstream" dazu sagen. An diesem Samstag feierte der Sender den 20. Geburtstag in Wien, auf der Bühne standen unter anderem Deichkind und Die Sterne.

Ein ziemlicher Glücksfall

FM4 war ursprünglich ein Produkt der Liberalisierung des Radiomarktes und damit ein ziemlicher Glücksfall: Als 1995 die ersten Privatradios starteten, wollte der ORF seinen großen Sender Ö3 noch mehr in den Mainstream und näher an die private Konkurrenz rücken. Um trotzdem alle Programmaufträge zu erfüllen, brauchte es einen neuen Nischensender, der unter keinem besonderen Quotendruck stand. Anfangs teilte man sich die Frequenz mit dem englischsprachigen "Blue Danube Radio", seit 2000 gibt es FM4 als Vollprogramm.

Viele der Moderationen und Nachrichten laufen nach wie vor in englischer Sprache. In Österreich erreicht der Sender um die 300 000 Hörer täglich, derzeit liegt die Reichweite bei den 14- bis 49-Jährigen bei 5,5 Prozent, mit leichter Tendenz nach unten. Viele, die mit FM4 musikalisch sozialisiert worden sind, bleiben auch dabei, die Hörerschaft altert mit ihrem Sender. Die langjährige Chefin Monika Eigensperger hat das kürzlich lakonisch so kommentiert: "Wohin sollen die Hörer auch wechseln?"

Der Mangel an Alternativen machte immer schon einen Teil des Erfolgsrezepts aus: Auf FM4 lief das, was anderswo am Markt keinen Platz hatte. Der österreichische Musikanteil war dabei stets deutlich höher als bei der Konkurrenz: Bands wie Ja, Panik, Naked Lunch oder aktuell Bilderbuch und Wanda haben mit FM4 den Sprung nach Deutschland geschafft.

Schöne Legende

Als der Sender 2007 vorübergehend aus dem bayerischen Kabelnetz genommen wurde, gab es sogar einen kleinen Aufstand samt Sitzstreik. Mittlerweile ist das Kabelnetz kein Faktor mehr, es gibt Streams, Apps und Wlan-Radios. Heute kommt ein Drittel aller Netz-Zugriffe auf das Programm aus Deutschland, die meisten aus Bayern.

Damit gehören wohl auch die schönen Legenden von den Münchner Partys der Vergangenheit an, die angeblich bewusst in den Süden der Stadt verlegt wurden, weil man dort FM4 gerade noch über Antenne empfangen konnte.