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Radio-Hörspiele:Die Würde wahren

Zwei empfehlenswerte Hörspiele erzählen vom sehr unterschiedlichen Verschwinden zweier Frauen. Es geht darin um Trauer, um Abhängigkeiten und ums Scheitern an der eigenen Emanzipation.

Zwei Hörspiele über zwei Frauen und ihre Einsamkeit: Zur selben Zeit werden am Sonntag zwei Ursendungen ausgestrahlt, Wild ist scheu von Karen Köhler (SWR 2), inszeniert von dem sehr präzisen Kai Grehn, und Celle-là von Daniel Danis (Deutschlandfunk Kultur), in der Regie von Steffen Moratz. Es lohnt sich, diese Hörspiele, die in den Audiotheken abrufbar sind, in eine Beziehung zueinander zu setzen, auch wenn eine solche nie intendiert war und sie erst einmal nur der Zufall der Programmplanung zusammenführt. Beide Frauen verschwinden aus dem Leben. Als Hörer bleibt man jedoch eng bei ihnen. In Wild ist scheu zieht eine Frau auf einen Hochsitz.

Sie muss sich in der Ruhe des Waldes selbst beruhigen, um in den neuen Lebensrhythmus zu finden, der sich von der Zivilisation löst. Leonie Benesch spricht diesen Monolog, der - das erfährt man spät - eine Trauerrede ist. Ein Trauerfall liegt auch Celle-là zugrunde, Karin Neuhäuser spielt eine Mutter, die ihrem Sohn eine solche nie sein konnte. Nun, nachdem sie gestorben ist, findet sie eine Stimme, um sich zu offenbaren. Wir erfahren von zwei Leben, die in Abhängigkeit geführt werden, von scheiternden Emanzipationsversuchen. "Ich habe wirklich versucht, meine Würde zu bewahren", sagt die Frau auf dem Hochsitz. Der Preis dafür ist immens, für sie wie für die andere.

Wild ist scheu, SWR 2, Sonntag, 18.20 Uhr. Celle-là, DLF, Kultur, Sonntag, 18.30 Uhr.