Radio Flirrendes Berlin

Drohende Verarmung muss ja kein Grund sein, der Dekadenz abzuschwören: Franz Hessels Hörspiel "Heimliches Berlin" erzählt von einem Bohemien, einer aufregenden Dreiecksgeschichte und den ach so goldenen Zwanzigerjahren in der Hauptstadt.

Von Stefan Fischer

Arm, aber sexy - das hat für viele Berliner bereits in den ach so goldenen Zwanzigern gegolten. Wobei drohende Verarmung kein Grund sein muss, um der Dekadenz abzuschwören: Am schönsten lebt es sich auch in Franz Hessels Hörspiel Heimliches Berlin über die Verhältnisse. Es begleitet den jungen Wendelin, gespielt von Ole Lagerpusch, einen Tag lang durch die Stadt. Der Bohemien weiß nicht recht, wohin mit sich. Soll er nach Hause auf den Bauernhof der Mutter? Oder lieber nach Italien, mit der heimlichen Geliebten - die eigentlich die Freundin seines besten Freundes ist? Eine aufregende Dreiecks-Geschichte ist das, wovon der Autor Franz Hessel etwas verstand: Er lebte mit Helen Grund und Henri-Pierre Roché in solch einer Beziehung, sie war Vorlage für Rochés Roman Jules et Jim, François Truffaut machte die Geschichte durch seinen Film weltberühmt. Thomas Gerwin hat in dem Hörspiel ein flirrendes Berlin inszeniert, wo vieles auf der Kippe steht.

Heimliches Berlin, RBB Kultur, 22.04 Uhr.