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Radio:Die schlauen Lauen

In einem bemerkenswerten NDR-Hörspiel wird ein Wahlabend zum Radio-Oratorium. Die Statements verwandeln sich in Chorgesänge.

Moderatoren und Korrespondenten, Forscher und Experten, Politiker und Bürger: Sie alle haben etwas zu sagen an einem Wahlabend. Es gibt immer so viel zu analysieren und zu kommentieren, zu orakeln und zu unken. Das televisionäre Gesumme schwillt dann besonders krass an.

Diese mediale Betriebsamkeit, die sich mitunter in Hektik oder gar Hysterie zu verwandeln scheint, ist ein Trugbild. Denn die abendliche Wahl-Berichterstattung gehorcht einer formalen Strenge und folgt rituellen Gesetzmäßigkeiten. Das macht sich Patricia Görg zunutze für ihr Hörspiel Es bleibt spannend. Der Titel ist insofern ironisch zu verstehen, als der Wahlausgang erwartbar ist. Spannend ist, wie es der Autorin und dem Regisseur Hans Gerd Krogmann gelingt, aus dem Stoff ein Radio-Oratorium zu machen: Inhalte lösen sich auf, Sprache wird zu Rhythmus. Die Parteien heißen die Rauen, die Flauen, die Genauen, die Blauen und die schlauen Lauen. Ihre Programmatik ist kenntlich, doch das Ornamentale dominiert. Statements werden zu Chorgesängen, alles Überdrehte fügt sich zu einer Struktur.

Vordergründig ist das Hörspiel eine Mediensatire, doch es geht um mehr. Riten geben Halt und Kraft. Indem Görg den Kern dieses Szenarios freilegt, tritt dessen gemeinschaftsstiftende Qualität zutage - das auch ein überraschendes künstlerisches Potenzial hat.

Es bleibt spannend, NDR Info, Sonntag, 21 Uhr.