Radio Blanker Hohn

Liberia, Guinea und Sierra Leone waren 2014 schwer von der Ebola-Epidemie getroffen. Ein Hörspiel erzählt von der Krise.

(Foto: James Giahyue/Reuters)

Rainer Maria Merkel hat ein Jahr als Psychologe in Liberia gearbeitet. Sein erstes Hörspiel handelt von einem Arzt, einem NGO-Chef und einer Journalistin, die versuchen, dort in der Ebola-Krise nicht den Kopf zu verlieren.

Von Stefan Fischer

Die deutschen Krisenhelfer können sich keine Hysterie leisten. Und sind doch total hysterisch. Der Autor Rainer Merkel entsendet in seinem ersten Hörspiel drei Deutsche nach Peace Island, einem Stadtviertel von Monrovia, Liberia. Der Name ist blanker Hohn, es ist 2014, das Ebola-Virus tötet Tausende. Wie soll man da nicht den Kopf verlieren als Arzt, als Geschäftsführer einer NGO, als Journalistin? Und was ist am dringendsten zu tun? Das Beste aus medizinischer Sicht ist eine Zumutung für die Angehörigen. Und für die Helfer spielen auch Karriereschritte und Aufmerksamkeit eine Rolle. Die Maske der Selbstlosigkeit darf aber nie fallen. Diesen psychischen Stress seziert Peace Island (Regie: Detlef Meissner), den Zynismus und die Geschäftemacherei. Was Rainer Merkel in der Fiktion verdichtet, kennt er aus eigener Anschauung: Der Psychologe hat ein Jahr lang eine Klinik in Liberia geleitet. Während der Ebola-Krise ist er zurückgekehrt, neugierig und ängstlich. Nun lenkt er die Aufmerksamkeit auf ein Land, für das sich kaum noch jemand interessiert.

Peace Island, NDR Kultur, Mittwoch, 20 Uhr.