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Pulitzer-Preise 2010:Pro publica - das Internet wird preiswürdig

Neben Flaggschiffen wie der Washington Post und der New York Times werden erstmals drei Online-Medien mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Mal gewinnt die Zeitung aus der Hauptstadt, mal das Blatt aus der Metropole. So ist das immer, wenn in den USA die Oscars der Presse vergeben werden, die Pulitzer-Preise. Und doch war diesmal etwas anders.

Zunächst einmal ist im Jahr 2010 die Washington Post die große Gewinnerin. Die Publikation der Graham-Familie setzte sich in vier Sparten gegen die Konkurrenz durch, darunter mit einer Artikelserie über das Leben im neuen Irak und einem erschütternden Feuilleton-Bericht über den Tod von Kindern, die von ihren Eltern im Auto vergessen wurden. Gewürdigt wurden auch ihre Kommentare und Kunstkritiken.

Die Erzrivalin New York Times, die im vergangenen Jahr noch fünf Pulitzer-Preise abgesahnt hatte, musste sich jetzt mit drei Ehrungen zufriedengeben. Die Gewinner wurden am Montag in New York bekanntgegeben.

Den höchsten Pulitzer-Preis für herausragenden "Dienst an der Öffentlichkeit" errang die Zeitung The Herald Courier of Bristol im US-Bundesstaat Virginia.

Sie hatte Schludereien bei der Verrechnung von Gasvorkommen auf tausenden Privatgrundstücken aufgedeckt. Ihre Berichterstattung machte die Justiz auf die Unregelmäßigkeiten aufmerksam und zog inzwischen rechtliche Konsequenzen nach sich.

Kein Preis für Sensationsblatt

Das Sensationsblatt National Enquirer ging leer aus. Es hatte sich mit Enthüllungsgeschichten über eine Liebesaffäre des ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten John Edwards um die Auszeichnungen für Enthüllungsjournalismus und nationale Berichterstattung beworben.

Preise für investigativen Journalismus gingen an den Online-Dienst ProPublica und die Zeitung Philadelphia Daily News für eine Reportage über Missstände in einer Drogenbekämpfungseinheit der Polizei.

Und das war das Besondere der ehrwürdigen Veranstaltung: Sie ist in der digitalen Zeit angekommen. Mit der Auszeichnung an ProPublica geht der Pulitzer-Preis erstmals an eine Online-Publikation.

Es handelt sich dabei um eine gemeinnützige Nachrichtenorganisation, die im Jahr 2007 von den Immobilienmilliardären Herbert und Marion Sandler gegründet wurde. Die Leitung der Veranstaltung obliegt Paul E. Steiger, einst Chefredakteur des Wall Street Journal. Er hat mehr als 30 feste Redakteure in seiner Non-Profit-Redaktion unter sich, die brisante Stoffe recherchiert und die Artikel dann den etablierten Medien anbietet. Mit einer Creative-Commons-Lizenz stehen die Texte anschließend honorarfrei anderen Medien zur Verfügung.

Mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde bei Pro Publica ein Artikel der Autorin Sheri Fink über die Arbeit in einem Krankenhaus von New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Dieses Stück erschien in Zusammenarbeit mit The New York Times Magazine. ProPublica engagiert sich vor allem für investigativen Journalismus bei gesellschaftlich relevanten Themen.

Zudem wurde die Seattle Times in der Kategorie "Breaking News" für ihren Einsatz von Twitter-Nachrichten in der Berichterstattung über eine tödliche Schießerei ausgezeichnet. Und der Cartoonist Mark Fiore erhielt einen Preis für seine beweglichen Karikaturen, die auf der Website des San Francisco Chronicle erscheinen.

Die Pulitzer-Awards sind nach dem 1911 gestorbenen Zeitungsverleger Joseph Pulitzer benannt und wurden erstmals 1917 verliehen. Dotiert sind sie mit je 10.000 Dollar. Sie gelten als höchste Auszeichnung im amerikanischen Journalismus.