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Promis in Serien:Auf fremdem Terrain

Ob Christian Ude, Gerhard Schröder oder Berti Vogts - sie alle haben schon TV-Gastrollen gespielt. In unterschiedlicher Qualität: mal nachdenklich, mal humorvoll, mal voll Weltschmerz. Ein Überblick von SZ-Autoren.

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Der Wiedergänger: Christian Ude

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Quelle: ARD

Im wahren Leben: Vom Schüler des Oskar-von-Miller-Gymnasiums zum Münchner Oberbürgermeister, das schafft nicht jeder. Im Ruhestand weilt er im griechischen Lieblingslokal oder auf der Kabarettbühne.

In der Serie: Spielt er den Münchner OB. Klar. In Franz Xaver Bogners München 7.

Performance: Ude hält eine kurze Rede, dabei kann er eigentlich nur lange Reden halten. Beim Text hat er sich von niemanden reinreden lassen. Wäre ja noch schöner.

Bester Satz: "Mich selber kann ich immer noch am glaubwürdigsten spielen".

Martin Zips

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Der Amtsträger: Gerhard Schröder

Gerhard Schröder bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"

Quelle: RTL

Im wahren Leben: Jurist, Strippenzieher, Russland-Versteher, Selbstdarsteller.

In der Serie: Die 1500. Folge von Gute Zeiten, Schlechte Zeiten (1998) hatte Kinolänge, eine Minute davon gehörte dem Ex-Hauptdarsteller der SPD. Spielte im Edellokal "Fasan" das, was er da war: Ministerpräsident von Niedersachsen. Hatte bereits damals ein gutes Gespür für den großen Auftritt, drei Monate später ist er schon Kanzler.

Performance: Einäugiger unter Blinden.

Bester Satz: "Ein Haufen Porzellan, was ist hier los?"

Claudia Fromme

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Der Kämpfer: Samuel Koch

Samuel Koch bei "Sturm der Liebe"

Quelle: ARD

Im wahren Leben: Früher begeisterter Sportler, seit dem tragischen Unfall bei Wetten, dass . . ? auf den Rollstuhl angewiesen. Inzwischen Bestsellerautor und Schauspieler.

In der Serie: Der Rennfahrer Tim Adler in Sturm der Liebe. Sitzt im Rollstuhl und wird von seiner Verlobten verlassen.

Performance: Nachdenklich und ziemlich schwermütig.

Bester Satz: "1990 hab ich das letzte Mal ein Fahrzeug mit so wenig PS gefahren. Und das war ein Spielzeugauto."

Nicolas Freund

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Der Amateur: Berti Vogts

Berti Vogts im Tatort: Habgier (1999)

Quelle: ARD

Im wahren Leben: Als Spieler treu (14 Jahre Mönchengladbach), als Trainer rastlos: derzeit in Aserbaidschan. Rührend uncool wie Stefan Raabs 90er-Rap: "Wer muss schon um acht ins Bett? Böörti Vogts!"

In der Reihe: Im Tatort: Habgier (1999) bemerkt er Nachbars Kaninchen vor der Tür und Gasgeruch in deren Küche. Angeblich haben die Heizungsmonteure geschlampt.

Performance: Nicht ausdrucksstärker als die Belohnungsmöhre fürs Kaninchen.

Bester Satz: "Solsche Leute arbeiten im falschen Beruf" (die Monteure!).

David Denk

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Der Superfan: Elke Heidenreich

Elke Heidenreich bei "Verbotene Liebe"

Quelle: ARD

Im wahren Leben: Literaturerklärerin, gerne auch im Fernsehen. Isst Tomatenbrot zur täglichen Dosis Adelsintrige und muss sich nach der baldigen Schrumpfung von Verbotene Liebe künftig viermal die Woche eine neue Abendbrot-Beilage suchen.

In der Serie: Privatdetektivin Felizitas Haverdorn wird angeheuert für eine, natürlich, Adelsintrige.

Performance: Schwerst humorvoll. Sie durfte trotzdem zweimal wiederkommen.

Bester Satz: "Sehe ich aus, als wollte ich Gürkchen?"

Katharina Riehl

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Der Dauergast: Harry Rowohlt

Harry Rowohlt in der Lindenstraße

Quelle: ARD

Im wahren Leben: Sehr bärtiger Schriftsteller, Kolumnist und Übersetzer, Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt. Lebt in Hamburg, unter einem Dach.

In der Serie: Seit Februar 1995 sehr bärtiger Dauergast in der Lindenstraße, die angeblich durch München verläuft. Anzutreffen an Orten, an denen Alkohol ausgeschenkt wird und Zuhörer keine Fluchtmöglichkeit haben. Lebt auf der Straße.

Performance: Sehr bärtiger Weltschmerz.

Bester Satz: "Genauso wie ich es prophezeit habe - es ist entsetzlich."

Katharina Riehl

© SZ vom 08.10.2014/tgl

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