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Jessy Wellmer in der "Sportschau":Lust auf Fußball - und Ironie

Sportschau-Moderatorin Jessy Wellmer

Sportschau-Moderatorin Jessy Wellmer

(Foto: dpa)

Die 37-jährige Jessy Wellmer moderiert künftig die Samstags-"Sportschau" - und könnte mit ihrem Markenzeichen polarisieren.

Von David Denk

"Wie ein erschossenes Eichhörnchen" hat Jessy Wellmer nach eigenem Bekunden einst bei ihrem ersten Auftritt in der Sonntags-Sportschau in die Kamera geguckt; sie meint: wie ferngesteuert, paralysiert. Das soll ihr nicht noch einmal passieren, wenn sie nun, drei Jahre später, mit Beginn der Bundesligasaison zur Moderatorin der dem Fußball vorbehaltenen Samstagsausgabe aufsteigt. "Ich versuche, die Ehrfurcht auszublenden", sagt die 37-Jährige. "Aber der Respekt ist da."

Die ARD hat Wellmer zum Einstand ein Gratulations-Filmchen geschenkt, in dem die Hierarchen mächtig stolz auf sie sind - und wohl auch ein bisschen auf sich selbst. Schließlich hat die Suche nach einer Nachfolgerin für Monica Lierhaus acht Jahre gedauert. Die Personalie, das räumt auch WDR-Sport- und Sportschau-Chef Steffen Simon ein, war überfällig.

Lierhaus war 2004 die erste Frau, der zugetraut wurde, den Bundesliga-Spieltag im Ersten kundig nachzubereiten, Wellmer wird 13 Jahre später die zweite - in der Saison, in der Bibiana Steinhaus als allererste Schiedsrichterin in der höchsten Spielklasse pfeifen darf. Die Männerdomäne wird allmählich durchlässiger. Wellmers Berufung ins Moderatorenteam am Sonntag war Teil einer "Frauenoffensive" - "und die hat nun endlich auch die Samstags-Sportschau erreicht." So nüchtern beschreibt sie selbst das, so norddeutsch - und man ist geneigt, ihr zu glauben, wenn sie sagt, angesichts wachsender weiblicher Konkurrenz in der Branche "bis zum Schluss nicht daran geglaubt" zu haben, dass die Wahl auf sie fällt: "So sehr ich mich darüber freue - ich wäre auch damit klargekommen, ganz normal weiterzumachen." Ein offizielles Casting gab es nicht.

Wer noch im Rennen war, weiß sie nicht. Wellmer, geboren und aufgewachsen im mecklenburgischen Güstrow, wird auch weiterhin zwischen Regionalfernsehen und Hauptprogramm pendeln: Beim RBB moderiert sie im Fernsehen wie im Radio. Berlin ist ihre Home base - beruflich und privat. Die regelmäßigen Ausflüge ins brandneue Kölner Sportschau-Studio seien natürlich "eine besondere, große Kulisse", sagt Wellmer. "Mir ist es aber wichtig, alle meine Jobs gleich ernst zu nehmen." Sie sei "ein fleißiges Mädchen".

Da scheint endlich mal ihre Lust an der Ironie durch. Wellmers Markenzeichen könnte bei der Sportschau polarisieren. Denn wie sagte ihr Chef beim Pressetermin? "Nichts ist so schwierig wie Ironie und Sport." Wellmer: "Ich meine es ernst mit dem Fußball. Und ich möchte, dass der Zuschauer das auch merkt. Aber ich traue ihm schon zu, dass er Ironie erkennt, versteht und aushält. Dieses Risiko muss ich eingehen, weil ich gar nicht anders kann."

Bei den Olympischen Spielen in Rio irritierte Wellmer Athleten in der Rubrik "Ringterview" mit der Frage, welche Sorte Pizza ihnen entspreche - so viel zum Thema Ehrfurcht. Sich selbst sieht Wellmer übrigens als Pizza Hawaii. Warum? "Weil die schön saftig ist."

© SZ vom 17.08.2017/cag
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