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Pro-Sieben-Sat-1-Chef Ebeling:Fiction statt Nachrichten

Pro-Sieben-Sat-1-Chef Ebeling klagt über die Nachrichten-Debatte - und würde eher Fiction fördern. Eine Forderung nach einer "Selbstverpflichtung" lehnt er ab.

Wolfgang Luef, Marc Felix Serrao

Thomas Ebeling, Vorstandschef von ProSiebenSat1, hat sich über eine "Diktatur der intellektuellen Elite bei der Qualitätsdebatte" beschwert. Bei einem Symposium der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) am Mittwoch in Berlin blieb er trotz der anhaltenden Kritik bei seiner Meinung, dass klassische News für seine Sendergruppe nur ein Zuschussgeschäft seien: "Auch wenn ich mehr Geld hätte, würde ich es nicht für mehr Nachrichten ausgeben." Stattdessen, so Ebeling, würde er "stark auf die lokale Fiction-Produktlinie setzen, als aktuelles Beispiel nannte er den Sat-1-Zweiteiler Die Grenze.

Es war Ebeling selbst gewesen, der die Diskussion über Qualität und Wert von Informationssendungen im Privatfernsehen durch ein Interview mit der SZ im November ausgelöst hatte. Nachrichten seien "vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", hatte er da gesagt. Als er nun gefragt wurde, ob er diese Formulierung bereue, verneinte der Vorstandschef.

"Ernste Bedenken"

Die Reaktion der Politik habe ihn vielmehr bestätigt. Weiter sagte Ebeling, dass der "Nachrichtenanteil" seiner Sender in den vergangenen zehn Jahren stabil geblieben sei und gemessen am Gesamtinhalt zwischen 25 und 35 Prozent liege. Ebeling betonte in diesem Zusammenhang, dass sich die "Wissenschaftspublizistik" seiner TV-Gruppe mit bunten Sendungen wie Galileo sogar verfünffacht habe. Die auch in Berlin wieder vorgetragene Forderung der DLM nach einer "Selbstverpflichtung" der Privaten, Länge und Sendeplätze ihrer Nachrichten verbindlich zu regeln, wies Ebeling zurück: "Da habe ich ernste Bedenken."

Bleibt der Verkauf des eigenen Nachrichtensenders N24. Auf den Stand der Verhandlungen angesprochen, sprach Ebeling von bislang fünf bis zehn Interessenten - als Kaufinteressenten wollte er diese Gesprächspartner noch nicht alle bezeichnen. Es gebe auch die Option, den Sender, der zuletzt 40 Millionen Euro Verlust machte, selbst weiterzubetreiben, mit einer "leicht anderen" oder "ganz anderen Ausrichtung".

© SZ vom 11.03.2010/berr
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