TV-KonzernBerlusconi-Familie kurz vor Mehrheit bei Pro Sieben Sat 1

Die italienische Medienunternehmen MFE strebt die Mehrheit bei Pro Sieben Sat 1 an.
Die italienische Medienunternehmen MFE strebt die Mehrheit bei Pro Sieben Sat 1 an. Lennart Preiss/Lennart Preiss/dpa

Ein tschechischer Finanzinvestor will seinen Anteil von Pro Sieben Sat 1 an Media for Europe verkaufen. Damit stehen  die Berlusconi-Erben kurz vor dem Ziel: 60 Prozent des deutschen Medienunternehmens würde dann ihnen gehören.

Die Berlusconi-Familie steht vor der Mehrheit beim deutschen Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1. Der tschechische Finanzinvestor PPF will seinen Anteil von knapp 15,7 Prozent der Pro-Sieben-Sat-1-Aktien an die Berlusconi-Gesellschaft Media for Europe (MFE) verkaufen, wie er am Mittwochabend mitteilte. Nachdem MFE nach Ablauf der ersten Angebotsfrist schon eine Beteiligung von 43,6 Prozent gemeldet hatte, dürfte ihre Beteiligung mit den Anteilen von PPF auf fast 60 Prozent wachsen.

PPF hatte den Pro-Sieben-Sat-1-Aktionären ebenfalls eine Übernahmeofferte gemacht, diese aber im Gegensatz zum Berlusconi-Konzern zuletzt nicht mehr erhöht. Mit dem Ablauf der ersten Frist hatte MFE die angestrebte Aktienmehrheit an Pro Sieben Sat 1 zwar verfehlt. Allerdings dürfen Aktionäre wie PPF ihre Anteile noch bis 1. September MFE andienen. PPF will nun auch seine verbliebenen Finanzinstrumente aus seinem eigenen Übernahmevorhaben abwickeln.

Media for Europe gehört den Kindern des 2023 gestorbenen früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi. Der Konzern will eine europäische Sendergruppe aufbauen. Kartellrechtlich gibt es keine Hürden für das Geschäft. Die Übernahme wurde bereits 2023 der Europäischen Kommission sowie 2024 der Bundeswettbewerbsbehörde zur Prüfung vorgelegt. Damals hatten die Berlusconis die Grenze von 25 Prozent überschritten.

Silvio Berlusconi hatte seinen Medienkonzern über Jahrzehnte genutzt, um seine politische Karriere und seine Partei Forza Italia zu befördern. Die Berlusconi-Kinder sind bislang nicht in die Politik eingestiegen, stehen der Partei aber nahe. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer lud jüngst Sohn Pier Silvio Berlusconi zum Gespräch ins Kanzleramt. Er mache sich Sorgen um „die journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit, auch nach einem Eigentümerwechsel“.

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SZ PlusVon Marc Beise

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