Geschlechtergerechtigkeit im Journalismus Im Rundfunk sind Frauen in Spitzenpositionen die Minderheit

Bei der Vorstellung der Studie in Berlin diskutieren Bundesministerin Giffey (SPD), Annette Kümmel, Vice-Präsident ProSieben Sat1, Birgit Wentzien, Chefredakteurin des Deutschlandfunks, Sabine Stamer, Vorstand von Pro Quote und Sylvie Deleglise, Personalchefin des RBB (v.l.n.r.).

(Foto: dpa)
  • Eine Studie von Pro Quote kommt zu dem Ergebnis, dass der Rund­funkjournalismus mehrheitlich weiblich ist.
  • In Spitzenpositionen dominieren jedoch weiterhin Männer.

Welchen Anteil haben Frauen an der publizistischen Macht in Deutschland? Dieser Frage geht der gemeinnützige Verein Pro Quote in einer zweiteiligen, vom Bundesfamilienministerium geförderten Studie zur Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen nach, die am Donnerstag in Berlin präsentiert wurde.

Das Ergebnis des ersten Teils mit dem Schwerpunkt Rundfunk: Zwar sei bei den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern etwa die Hälfte der Belegschaft weiblich und beim Nachwuchs die Mehrheit Frauen. Doch in den oberen Führungsetagen dominieren weiterhin Männer.

Gleichberechtigung

Alternative: Frauen

Auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche in Hamburg debattieren Journalistinnen und Journalisten über die Geschlechterrollen. Eine Frage dabei lautet: Warum recherchieren vor allem Männer investigativ?  Von Karoline Meta Beisel

Bei den meisten öffentlich-rechtlichen Sendern liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen in den für die Studie untersuchten Bereichen zwischen 30 und 40 Prozent. Insgesamt lag der durchschnittliche, sogenannte "Frauenmachtanteil" im Rundfunk bei 37,7 Prozent. Den höchsten Frauenmachtanteil haben die Deutsche Welle mit 51,9 Prozent und der RBB mit 51 Prozent. Kleinere Anstalten kommen nach der Studie dagegen auf einen geringeren Wert: Der SR liegt bei 25,6 Prozent und das Deutschlandradio bei 24,3 Prozent.

Für den Frauenmachtanteil wurden auf Basis der Organigramme der Sender die vier obersten Hierarchieebenen berücksichtigt. Je höher die Position, desto stärker wurde sie gewichtet. Die Intendanz als höchste Ebene wurde beispielsweise mit dem Faktor vier multipliziert; die unterste Ebene der Leitungen der Regionalstudios wurde einfach gewertet.

Auch in anderen Bereichen im Rundfunk sind Frauen der Studie zufolge unterrepräsentiert: Von den Auslandsberichterstattern seien nur 31,6 Prozent weiblich, bei den Tagesthemen-Kommentaren seien im vergangenen Jahr 37,6 Prozent von Frauen gesprochen worden. 2019 folgt der zweite Teil der Studie mit dem Fokus auf Print- und Onlinemedien.

"Das Ziel muss Parität sein, Parität überall"

Kanzlerin Merkel erinnert in Berlin mit Familienministerin Giffey an die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. Da der Frauenanteil im Bundestag nicht höher sei als der im Sudan, sieht sie noch einiges zu tun. Von Henrike Roßbach mehr...