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Privatdetektivin Doro:Toter Winkel im Herz

Dunkelstadt

Raucht, trinkt, löst Fälle. Doro (Alina Levshin) ist außer ihrem Beruf alles sehr egal.

(Foto: Stephan Pick/ZDF)

Die Serie "Dunkelstadt" von ZDF neo versucht sich mit Hauptdarstellerin Alina Levshin als einsame Kämpferin am Genre des Film Noir.

Ein kurzer, zerzauster Bob, mehrere Gläser Whisky am Tag und ein bis zwei Zigaretten alle zehn Minuten. Doro Decker (Alina Levshin) ist eine toughe Privatdetektivin. Lässig sitzt sie auf dem Sofa in ihrem Loft in Antwerpens Hafen und nimmt ihre Klienten in Empfang. Von betrügenden Männern bis zu Töchtern, die sich zwielichtigen Öko-Kommunen angeschlossen haben - Doro ist sich für keinen Fall zu schade. Was als kleine Recherchearbeit anfängt, führt sie schnell zu größeren Fällen, wie Korruption und Mord in der Politik oder Organhandel.

ZDF neo will mit der Figur Doro Decker in der Serie Dunkelstadt "eine coole Rebellin, die alle Regeln bricht" - so heißt es in der Serienbeschreibung - in die deutsche Krimiserienlandschaft entlassen. Denn Doro kann nicht nur rauchen und trinken, nein, sie ist bereit, für ihren Job alles zu riskieren, sie ist direkt, lässt sich nichts sagen, erst recht nicht von Männern. Mit frechen Sprüchen und einem dauerhaft kühl-distanzierten Ausdruck im Gesicht zeigt Schauspielerin Alina Levshin, dass dieser Detektivin alles außer ihrem Beruf egal ist.

Und damit ergibt sich auch schon das erste Problem der Serie. Denn Doro ist alles so egal, dass sie das mindestens einmal pro Folge erklären muss. Das führt zu Voiceover-Monologen gefüttert mit platten Floskeln, wie "Ich bin schwierig mit Freundschaften" oder "Es gibt einen toten Winkel in meinem Herzen, ein kugelförmiges Loch". Dabei klingt die Idee, eine junge, unabhängige Frau die Kriminalwelt aufmischen zu lassen, eigentlich nach einer vielversprechenden Voraussetzung für die Serie. Doch spätestens ab der zweiten Folge und nach der Begegnung mit dem ehemaligen Liebhaber und Polizeischulkollegen Chris (Artjom Gilz) ist klar: Diese Doro ist selber ein Stereotyp - denn die einzige Rettung ist natürlich der Mann.

Der Industriehafen von Antwerpen, die Rückblenden, das ist alles sehr stilsicher

Und davon gibt es nicht nur einen in Doros Leben. Denn die eigentliche Quelle ihrer persönlichen Probleme und Abhängigkeiten hängt mit dem Mord an ihrem geliebten Vater zusammen, einem ehemaligen Polizisten. Neue Erkenntnisse zur Tat bilden den Rahmen von Dunkelstadt und schnell wird Doro in ein Geflecht aus korrupten Polizisten und Betrug verwickelt. Sie bringt sich in Gefahr. Aber auch das natürlich: egal.

Dunkelstadt orientiert sich am Genre des Film Noir, so wird es in der Serienbeschreibung zumindest angekündigt. Die Elemente des Kriminalfilms aus den 1940er- und 1950er-Jahren werden nicht nur durch die Erzählerstimme und die verbitterte Hauptfigur aufgerufen, sondern auch durch Rückblenden und Hell-Dunkel-Kontraste. Auch der Drehort, die Industriegebiete im Hafen von Antwerpen, erinnern an das klassische Setting des Film noirs. Eigentlich eine gute Idee, aber die Spannung, die in einem Film noir selbstverständlich ist, kommt hier nicht auf.

Dunkelstadt, in der ZDF-Mediathek

© SZ vom 27.02.2020
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