GroßbritannienPrinz Harry verliert vor Gericht

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Prinz Harry zu Beginn des Jahres vor dem Londoner High Court.
Prinz Harry zu Beginn des Jahres vor dem Londoner High Court. Toby Melville/REUTERS

Haben britische Boulevardmedien Privatdetektive angeheuert, um bei Prinz Harry illegal Abhörgeräte anzubringen und Polizeibeamte zu bestechen? Einem Gericht reichen die Beweise dafür nicht.

Von Martin Wittmann, London

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Prinz Harry und sechs weitere Prominente haben einen Zivilprozess gegen britische Boulevardmedien verloren. Gegner vor dem High Court in London waren der Verlag Associated Newspapers Limited (ANL) und dessen Zeitungen Daily Mail und Mail on Sunday. Die Vorwürfe: Zwischen 1993 und 2011, teilweise noch bis 2018, sollen die Redaktionen Privatdetektive beauftragt haben, etwa um in Autos und Wohnungen der Kläger Abhörgeräte anzubringen, Polizeibeamte zu bestechen und um sich Zugang zu persönlichen Finanzdaten zu verschaffen. Dazu sollen die Journalisten mit  Sozialversicherungsnummern, medizinischen Unterlagen sowie Telefonrechnungen und -nummern der Kläger versorgt worden sein. Mehr als drei Millionen Pfund hätten die Blätter dafür ausgegeben.

Laut BBC sagte Richter Matthew Nicklin am Dienstag bei der Verkündung seines 436 Seiten langen Urteils, dass er durchaus Verständnis habe für die Verdächtigungen der Kläger. Ihre zahlreichen Vorwürfe seien schwerwiegend gewesen. Dies erfordere jedoch entsprechend überzeugende Beweise – und die seien nicht ausreichend geliefert worden. Die Kläger hätten schon nachweisen müssen, dass die berichteten Informationen unrechtmäßig beschafft worden seien, das sei nicht geschehen. Zudem lägen die Vorkommnisse zu lange zurück, es seien Dokumente verloren gegangen, vieles könne nicht mehr erinnert werden. Neben Prinz Harry hatten die Schauspielerin Liz Hurley, der Sänger Elton John und dessen Mann, David Furnish, die Schauspielerin Sadie Frost, Baroness Doreen Lawrence und der frühere liberaldemokratische Politiker Simon Hughes geklagt.

ANL hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Zwar gaben die Redaktionen zu, Privatdetektive angeheuert zu haben, man sei aber davon ausgegangen, dass diese mit legalen Mitteln gearbeitet hätten.

Der Prozess hatte im Januar begonnen. Prinz Harry war mehrmals durch einen Nebeneingang in das mächtige viktorianisch-gotische Gebäude geschleust worden. Er sagte aus, er habe lange nicht gewusst, woher die privaten Informationen in den Berichten stammten. Er sei „paranoid“ geworden, habe Freunde verdächtigt. Die Zeitungen hätten überdies „das Leben meiner Frau vollkommen zur Hölle gemacht“.

Vor drei Jahren hatte Harry 140 600 Pfund eingeklagt, weil Journalisten sein Telefon abgehört hatten

Der verlorene Prozess ist nicht das einzige Ungemach für Prinz Harry, der in diesen Tagen in England weilt. Seine Frau, Meghan, ist mit den beiden Kindern in seiner Wahlheimat Kalifornien geblieben. Und in seiner alten Heimat London hat sich eine mögliche Übernachtung im Buckingham-Palast zerschlagen, und dies keineswegs diskret. Erst hatte Harrys Lager am Montag verkündet, er nehme das Angebot seines Vaters an, dort zu nächtigen. Der ließ daraufhin mitteilen, das klappe nun doch nicht, der Gast habe zu spät zugesagt. Nun könnte man meinen, für den Nachwuchs von König Charles III. hätte man spontan schon noch eines der 52 Schlafzimmer im Palast herrichten können. Aber die Familie ist bekanntlich nicht spannungsfrei. Der Besuch des verlorenen Sohnes diese Woche hätte eigentlich der Annäherung dienen können. Prinz Harry ließ nun mitteilen, er sei enttäuscht über das zurückgezogene Angebot seines Vaters.

Während sich die Königsfamilie traditionell juristisch zurückhält, sich grundsätzlich nicht beschweren und nicht erklären will, never complain, never explain, hatte Harry sich zu wehren beschlossen. Für ihn war der Zivilprozess in London der dritte größere gegen die britische Boulevardpresse. Vor drei Jahren hatte er 140 600 Pfund (165 000 Euro) Schadenersatz von der Mirror Group Newspapers eingeklagt, weil Journalisten sein Telefon abgehört hatten. Seine Aussage unter Eid im Mirror-Prozess war die erste eines britischen Royals seit dem 19. Jahrhundert.

Damals schilderte Harry, dass die britische Presse jedem in der Königsfamilie eine Rolle zuweise. „Man startet als leere Leinwand“, heißt es in seiner Aussage. Die Redaktionen fänden bald heraus, was für ein Mensch man sei, welche Probleme man habe und welchen Versuchungen man erliege. Irgendwann werde man in eine Rolle gedrängt und abgestempelt, in seinem Fall als „Betrüger“, „Idiot“, „verantwortungsloser Drogenkonsument“ oder „minderjähriger Trinker“. Die Berichterstattung über seine Frau Meghan sei von Rassismus geprägt gewesen. Die Boulevardpresse sei auch für den Unfall-Tod seiner Mutter Diana verantwortlich, die 1997 während einer Verfolgungsjagd mit Paparazzi in Paris ums Leben kam.

Vergangenes Jahr hatte er mit Rupert Murdochs News Group Newspapers eine Einigung erzielt. Der Verlag hat sich für die Verletzung seiner Privatsphäre entschuldigt und ihm eine Entschädigung gezahlt.

Die Niederlage gegen ANL gilt nun als harter Rückschlag. Der Verlag hingegen begrüßte das Urteil. „Der Ruf unserer anständigen und fleißigen Journalisten wurde auf schreckliche Weise angegriffen, und heute wurden sie entlastet“, teilte ein Sprecher mit. Man habe „noch offene Fragen zu klären, darunter auch die Erstattung der Kosten, die uns durch die Verteidigung gegen diesen ungeheuerlichen Rechtsstreit entstanden sind“.

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:Ausgespäht und abgehört

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SZ PlusVon Martin Wittmann

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