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Primetime Emmy Awards:Das Fernsehen gewinnt

Vince Gilligan

Das Team der Serie "Breaking Bad" freut sich über den Erfolg.

(Foto: AP)

Die Primetime Emmy Awards dienen nicht nur der Selbstbeweihräucherung der Fernsehindustrie, die seit Wochen ein neues goldenes Zeitalter ausruft. Sie senden vor allem eine Nachricht an die Filmbranche: mit einer kurzweiligen Show und Gewinnern, die gewöhnlich Inhalte für die große Leinwand produzieren.

Merritt Wever präsentierte gleich zu Beginn dieses Abends, dass eine Dankesrede keine nervige Angelegenheit sein muss. Gewöhnlich zählen die Gewinner bei dieser Gelegenheit all jene auf, denen sie danken müssen (Familie, Kollegen), mit einem kurzen Hinweis auf die anderen Nominierten wird Bescheidenheit ausgedrückt. Wenn es die Zeit erlaubt, dann folgt noch eine kurze Werbung für die neue Staffel der Serie. So einfach und langweilig ist das normalerweise.

Nicht mit Wever. Sie hatte gerade ihren Preis als beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie gewonnen. Sie stand auf der Bühne des Nokia Theaters und sagte einfach: "Thank you so much!" Kurze Pause. "I gotta go, bye!" Das war's.

Wever gab damit den Ton vor für die 65. Primetime Emmy Awards, die am Sonntagabend in Los Angeles vergeben wurden: kein unnötiges Gerede, ganz wenig Pathos, nur ja keine Langeweile. Diese Show sollte nicht nur der Selbstbeweihräucherung der Fernsehindustrie dienen, die seit Wochen ein neues goldenes Zeitalter ausruft. Es sollte vor allem eine Nachricht sein an die Filmbranche: Seht mal her, so unterhält man die Menschen heutzutage! Die Primetime Emmy Awards waren so, wie die Academy Awards gerne sein möchten.

Emmy Awards 2013

"Vielen Dank. Ich muss gehen"

Paradigmenwechsel ohne Tamtam

Das deutete sich schon auf dem Roten Teppich an: Zunächst kam der Oscar-dekorierte Hollywood-Veteran Kevin Spacey und sprach von einem "neuen Paradigma für die Fernsehindustrie". Dann kam der Oscar-dekorierte Hollywood-Veteran Michael Douglas und lobte das Fernsehen über den grünen Klee. Dann Matt Damon. David Fincher. Steven Soderbergh. Ben Affleck. Sie alle sprachen von den Möglichkeiten des Geschichtenerzählens beim Fernsehen, Spacey gar von einem "Paradigmenwechsel".

Auf der Bühne ging es weiter: Moderator Neil Patrick Harris verzichtete auf einen pompösen Auftritt oder einen öden Anfangsmonolog. Er verwies kurz darauf, dass es heutzutage möglich sei, überall fernzusehen - er selbst sehe sich gerade "American Horror Story" über seine Kontaktlinsen an. In diesem Moment schwenkt die Kamera bewusst auf Claire Danes, die gerade auf ihr Handy blickt. Es ist nicht klar, ob sie ebenfalls "American Horror Story" guckt oder einfach live von der Veranstaltung twittert.

Doch auch das gehört zum Fernsehen heutzutage: Nur noch rezipieren ist out, der Zuschauer ist über soziale Medien stets dabei, er darf mitreden. Die Produzenten von Serien bekommen über Twitter, Facebook und die Homepages der Serien gewissermaßen live mitgeteilt, wenn sie eine Folge verbockt oder für ein neues Glanzstück gesorgt haben. Deshalb gilt das Einblenden einer Schauspielerin, die etwas in ihr Handy tippt, nicht mehr als Zeichen einer langweiligen Show, sondern als Mit-der-Zeit-gehen.

Douglas veralbert Damon

Mehr als drei Stunden dauerte die Show, und sie war deshalb nicht langweilig, weil die Produzenten jene Teile, die vorhersehbar sind, auf ein Minimum reduzierten: Die Nominierten der jeweiligen Kategorien wurden schnell aufgezählt, die Gewinner mussten sich äußerst kurz fassen, sonst wurden sie schnell durch das Orchester von der Bühne hinunter komplementiert.

Es brauchte also eine der kürzesten Reden in der Geschichte (Wever), um Aufmerksamkeit zu erregen - oder eben eine witzige Einlage. Die gelang Michael Douglas, der als bester Schauspieler in einer Miniserie für seine Rolle in "Behind the Candelabra" ausgezeichnet wurde. Er veralberte Matt Damon, der im Fernsehen seinen Liebhaber verkörpert, und sagte: "Du verdienst wirklich die Hälfte davon. Magst Du lieber unten oder oben?"

Schon auf dem roten Teppich hatte Douglas für einen wunderbaren Moment gesorgt. Er ging auf Jim Parsons zu und erklärte ihm, wie sehr seine Kinder "The Big Bang Theory" mögen würden. Parsons ist überaus verblüfft über das Lob und sagt: "Sie sind so nett!" Douglas Reaktion: "Nein, bin ich nicht!" Also antwortet Parsons: "Nun, Sie sind nicht böse."

Nominierungen für die Emmy Awards 2013

Fast zu viel des Guten

"Behind the Candelabra" war einer der großen Gewinner dieser Emmys. Elf Trophäen gewann der Film von Steven Soderbergh - acht bei den "Creative Arts Emmys" in der vergangenen Woche, drei an diesem Sonntagabend. Auch das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Es gibt einen Film von Steven Soderbergh mit Matt Damon und Michael Douglas - und der lief nicht im Kino, sondern im Fernsehen. Ein Fall, der in Zukunft öfter eintreten könnte, denn Soderbergh teilte kürzlich das Ende seiner Kino-Karriere mit. Er will sich lieber um Theater und Fernsehen kümmern.