Pressesprecher der Polizei München Der Mann, der ruhig bleibt

Marcus da Gloria Martins ist Pressesprecher der Münchner Polizei - und tritt als einer der wenigen glaubwürdig und souverän auf.

Von Carolin Gasteiger

Was ist in München passiert? Ein 18-Jähriger hat neun Menschen und offenbar sich selbst erschossen. Sein Motiv ist noch unklar. Im Netz kursierten Spekulationen, lange bevor die Polizei auf einer Pressekonferenz nach zwei Uhr diese Informationen bekannt gab. Selbst Journalisten lassen sich in Live-Schalten vor lauter Aufregung dazu hinreißen.

Einer blieb in der Nacht gelassen: Marcus da Gloria Martins. Der Münchner Polizeisprecher ist einer der wenigen, die in diesem Chaos Ruhe bewahren. Um kurz nach halb zehn Uhr am Freitagabend tritt der Mann mit dunklen Haaren und Brille zum ersten Mal vor die Presse.

Mit fester Stimme beantwortet der 43-Jährige die vielen Fragen, auch dann noch, wenn sie redundant sind, reagiert selbst dann souverän, als ihn einer der Reporter darauf aufmerksam macht, dass die Zahl der Toten inzwischen gestiegen sei. "Ja, mein Kollege nickt eifrig", sagt Martins, nicht ohne auf die aktuelle Ausnahmesituation hinzuweisen. Und darauf, dass die "sehr gute" Polizei in München ihre Arbeit mache. Auch später, in einem Einzelgespräch im Bayerischen Fernsehen, kontert Martins die Frage des Journalisten: "Das kann ich ihnen nicht sagen, weil da müsste ich raten. Und das wäre hochgradig unseriös."

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In den sozialen Netzwerken stieß Martins mit seiner ruhigen Art auf große Resonanz:

Marcus da Gloria Martins hat in Köln als Polizist angefangen, wurde Kommissar, absolvierte ein Masterstudium an der Polizeihochschule in Münster. Bevor er im vergangenen Jahr die Stelle des Polizeisprechers übernahm, leitete er die Münchner Verkehrspolizei. In einem Interview kurz vor Amtsantritt erklärte Martins: "Glaubwürdigkeit zu schaffen und zu erhalten - das ist nicht mit Gold aufzuwiegen." Wie wichtig ihm das ist, hat er am Freitagabend eindrücklich bewiesen. Martins wirkt auch dann noch souverän, wenn er eigentlich schon flapsig wird: Auf die Frage eines Reporters etwa, wie denn "die Person ist unter Gewalteinwirkung gestorben" zu verstehen sei, lautet Martins' schlichte Antwort: "Er ist nicht einfach tot umgefallen."

Aber nicht nur seine Gelassenheit vor der Presse spricht für Martins, dem bereits eine eigene Facebookseite eingerichtet wurde. Sondern auch die Kommunikation der Polizei in den sozialen Netzwerken. Auf Twitter informierte die Polizei bereits früh über die Situation, im Laufe des Abends schickten die Beamten Informationen auf Englisch, Französisch und sogar Türkisch über den Kurznachrichtendienst. Außerdem twitterten sie den Safety Check von Facebook, über den Nutzer angeben können, dass sie sich in Sicherheit befinden.

"Soziale Medien schüren die Angst vor hoher Kriminalität", sagte Martins nach der Silvesternacht von Köln im Bayerischen Fernsehen. Mit der souveränen Art, wie die Münchner Polizei und ihr Sprecher sich nach der Terrortat verhalten haben, scheint Martins dem gegensteuern zu wollen. Mit Erfolg.

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