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Presseschau zur großen Koalition:"Everyone wins" sagt der Guardian

Die Lübecker Nachrichten sehen Gabriel als vorraussichtlichen Superminister für Wirtschaft und Energie vor großen Herausforderungen. Der SPD-Chef verantworte nicht nur die komplette Energiewende, "er will auch wettmachen, was er als entscheidendes Defizit seiner Partei ausgemacht hat: die fehlende Wirtschaftskompetenz. Eine große Aufgabe - und ein großes Risiko, daran zu scheitern.

Die Neue Osnabrücker Zeitung bewertet die angebliche Dominanz der SPD: "Wieder einmal hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bewiesen, was er für ein politischer Fuchs ist. Indem die Sozialdemokraten ihre Ministernamen schon jetzt haben durchsickern lassen, dominieren sie die finale Phase der Regierungsbildung zu Beginn des Wochenendes und an dessen Ende. Jetzt die Kabinettsliste, später das Ergebnis des Mitgliederentscheids: Dass in diesen Tagen auch noch ein paar Unionsminister und damit Vertreter des haushohen Wahlsiegers Ämter zugeschlagen bekommen, geht darin völlig unter. Wie schon beim Erarbeiten des Koalitionsvertrags führt Gabriel die CDU-Chefin Angela Merkel mit seiner Raffinesse regelrecht vor."

Auch die Schwäbische Zeitung fokussiert Sigmar Gabriel: "Als Vizekanzler und Superminister für Wirtschaft und Energie ist er bald der Star des Bundeskabinetts. Er soll das Mammutprojekt Energiewende federführend umsetzen. Doch was so verlockend klingt, birgt auch ein hohes Restrisiko. Die Energiepolitik ist ein massiv vermintes Feld. Hier stoßen Interessen der Wirtschaft, der Politik und der Verbraucher knallhart aufeinander. Bislang jedenfalls existiert noch kein ausgewogenes Konzept für das nach Fukushima im Schweinsgalopp beschlossene Projekt. Gabriel kann deshalb auf der einen Seite glänzen, wenn ihm der große Wurf bei der Energiewende gelingt. Genauso schnell - und das ist wahrscheinlicher - kann sein in den letzten Monaten steil aufgegangener Stern aber auch wieder verglühen."

"Everyone wins as Germany gets the coalition it longs for", titelt der britische Guardian. Gabriel habe mithilfe des SPD-Mitgliederentscheids seine Position in den Koalitionsverhandlungen gestärkt, beobachtet die Zeitung. Allerdings habe seine Partei nicht das Finanzministerium bekommen. Da es nun womöglich weiter von CDU-Politiker Wolfgang Schäuble geleitet werde, werde Berlins Kurs in der Eurokrise wohl gleichbleiben. Ohnehin seien viele designierte Minister bekannte Gesichter. Die "einzigen Überraschungen" seien die Ernennung des "recht unerfahrenen" SPD-Politikers Heiko Maas zum Justizminister und dass auch Deutschland mit Ursula von der Leyen erstmals eine weibliche Verteidigungsministerin haben wird.

Auch bei der New York Times zeigt man sich "trotz des dreimonatigen Wartens" enttäuscht ob der wenigen neuen Personalien - staunt aber auch, dass nun eine Frau das deutsche Verteidungsministerium führen wird. Überdies würdigt die Zeitung den Eifer, mit dem Gabriel die Parteibasis von einer großen Koalition zu überzeugen suchte.

© SZ.de/fran/lala

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