Presseschau zu Österreich:"Strache hat die Lügenpresse-Gröler endgültig demaskiert"

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Neue Osnabrücker Zeitung

"Entsetzlich, wie bereitwillig sich FPÖ-Mann Strache in dem Video gegenüber der vermeintlichen Oligarchen-Tochter verkaufte. Er belegte so seine Abneigung, wenn nicht gar seinen Hass, gegen kritische Medien. Damit steht der österreichische Rechtsaußen nicht allein. Töne von AfD-Politikern, Ungarns Premier Viktor Orbán, Frankreichs Marine le Pen und anderen klingen ähnlich. Strache hat die Lügenpresse-Gröler endgültig demaskiert. Der Vorgang bestätigt all jene, die Politikern ohnehin Machtversessenheit und Egoismus unterstellen. Strache hat die Politiker-Elite insgesamt beschädigt, der Schaden für die Demokratie ist groß. Das heimlich aufgenommene Video nun als "gezieltes politisches Attentat" abzutun ist der billige Versuch, Täter zu Opfern zu machen."

Mannheimer Morgen

"Dies ist keine österreichische Angelegenheit allein. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel hat über Tarnfirmen in der Schweiz Wahlkampfhilfe in Höhe von 132 000 Euro bekommen. Von anonymen Gönnern, deren Absichten niemand kennt. Bei Parteichef Jörg Meuthen waren es 89 000 Euro. Bei der AfD sind die Preise niedriger, weil sie anders als die FPÖ der Macht noch fern ist. Aber auch die AfD will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zerschlagen, auch die AfD hält enge Bande zu Russland."

Neue Westfälische (Bielefeld)

"Bislang gibt es keinen direkten Zusammenhang zur politischen Lage in Deutschland, obwohl erst kürzlich FPÖ und AfD sich im Zusammenhang mit der Europawahl Seite an Seite präsentierten. Ähnlichkeiten zur Parteispendenaffäre der deutschen Rechten sind indes unabweisbar. AfD, FPÖ - es ist erschütternd, wie verkommen die politische Rechte geworden ist! Eine Woche vor der Europawahl eröffnet die Verbreitung des Strache-Videos eine große Chance, die Debatte um Seriosität und Richtung der Politik neu zu eröffnen. In Demut! Es ist nicht das erste Mal, dass journalistische Recherche dies möglich macht. Das gab es auch in der Bundesrepublik schon. Diese Qualität des Journalismus gilt noch immer - das ist die gute Nachricht am Desaster der politischen Kultur in Österreich."

Weser-Kurier (Bremen)

"Wer die Zuwanderungs- und EU-Politik der FPÖ gut findet, wird sie auch im September wiederwählen - und angesichts der Umstände ohnehin davon ausgehen, dass Strache nur das Opfer einer finsteren Intrige mächtiger Eurozentristen ist. Mancher unentschlossene Sympathisant der Rechtspopulisten wird aber hoffentlich erkennen: Die Salvinis, Straches, Meuthens wollen keineswegs ein "Europa der Vaterländer" - ihr Ideal sind Bananenrepubliken von Moskaus Gnaden."

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe)

"Sebastian Kurz kann froh sein, dass seine Zusammenarbeit auf diese Weise implodiert ist. Und Europa kann vielleicht noch froh sein, dass die populistische Alternative in Wien sich gerade so drastisch selbst entlarvt hat. Es könnte dem einen oder anderen die Augen öffnen, auf welch sumpfiger Grundlage da die Ideen basieren, mit denen Populisten einer Europäischen Union den Kampf ansagen, die von den Gründervätern einst gerade als Waffe gegen solcherlei populistische Verirrungen ausgeformt wurde."

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