Presseschau zu Österreich:"Bananenrepubliken von Moskaus Gnaden"

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Österreichs Vizekanzler Strache vor dem Aus

Unter Feuer: Österreichs Ex-Vizekanzler Strache

(Foto: dpa)

Die Kommentare in deutschen Zeitungen beschäftigen sich intensiv mit dem Ibiza-Video, der moralischen verrotteten FPÖ und den Europa- und Neuwahlen in Österreich. Eine Auswahl.

Stuttgarter Zeitung

"Der FPÖ-Chef offenbart ein Denk- und Handlungsmuster, wie es typisch für viele Rechtspopulisten ist in Europa und darüber hinaus. Sie geben sich als Patrioten - aber sie haben keine Skrupel, ausländisches Geld für ihre Partei anzunehmen und ihr Land an dubiose Ausländer zu verhökern, wenn es dem persönlichen Machtinteresse dient. Sie versprechen, wieder Recht und Ordnung herzustellen - aber sie selbst fallen auffällig oft durch juristische Grenzüberschreitungen auf. Sie beklagen die Staatshörigkeit und Einseitigkeit etablierter Medien - und arbeiten doch selbst daran, diese Medien unter ihre Kontrolle zu bringen und missliebige Journalisten auszuschalten."

Münchner Merkur

"Der Video-Skandal um den von sich und von Wodka besoffenen Vizekanzler taugt nicht zur Verklärung des Guten über die radikal Rechten, sondern leuchtet nur in unterschiedliche tiefe Abgründe. Im Zentrum steht die Demaskierung des Heinz-Christian Strache und seiner FPÖ. Er wollte fundamentale Prinzipien der Demokratie aushebeln. Er, der vermeintlich für Vaterland und Anstand stritt, prahlte damit, die wichtigsten Werte seiner Heimat an eine russische Oligarchen-Nichte zu verschachern. Über viele, viele Jahre darf in dieser FPÖ niemand mehr von Patriotismus salbadern, ohne an Straches Vaterlandsverrat zu denken. Nur: Häme wäre kurzsichtig. Denn politisch reicht der Flurschaden weit über die FPÖ und ihre ähnlich russlandblinden Freunderl in ganz Europa hinaus."

Nürnberger Nachrichten

"Wer sich dieses beileibe nicht vollständige Sündenregister ansieht, der versteht: Der österreichische Skandal schwächt auch die Rechtspopulisten in den anderen europäischen Staaten deutlich. Sie wollten eigentlich am Wochenende mit der Gründung einer Internationale der Nationalisten - schon der Begriff ist ein Widerspruch in sich - Stärke zeigen. Nun aber befinden sie sich eine Woche vor der Europawahl in der Defensive und haben sehr schlechte Karten, kurzfristig aus dieser Situation wieder herauszukommen."

Leipziger Volkszeitung

"Es ist ein Ausverkauf des Rechtsstaats, den Heinz-Christian Strache hier angeboten hat. Bindung der Staatsgewalt ans Recht? Kann weg. Freie, kritische Medien? Waren immer schon ärgerlich, Schluss damit. Strache nennt die Videoaufzeichnung "ein gezieltes politisches Attentat". Er und seine Freunde sollten aufhören mit diesem jämmerlichen Selbstmitleid. Ja, es gab einen Anschlag auf die Demokratie - aber der lag darin, dass ein Mann mit einem so monströsen Verhältnis zur Rechtsstaatlichkeit wie Strache überhaupt Vizekanzler werden konnte in Österreich."

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