Presseschau zu Medien gegen Trump "Der schmutzige Krieg gegen die freie Presse muss aufhören"

Mehr als 300 Zeitungsredaktionen in den USA haben sich zusammengeschlossen, um ein Zeichen gegen Trump zu setzen. Gestartet wurde die Initiative vom Boston Globe.

(Foto: AFP)

Der "Boston Globe" und mehr als 300 weitere US-Medien wehren sich mit Leitartikeln gegen die Angriffe von Donald Trump. Doch nicht alle Zeitungen sind von dieser koordinierten Aktion überzeugt.

"Der schmutzige Krieg gegen die freie Presse muss aufhören", schreibt der Boston Globe. Durch Trumps Politik und seine unablässigen Angriffe auf die freie Presse gehe das Vertrauen der Menschen in unabhängige Berichterstattung verloren. Aus diesem Grund hat die Zeitung Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land zu einer gemeinsamen Aktion gegen den US-Präsidenten aufgerufen. Nach Angaben des Globe beteiligten sich etwa 350 Medien an der Aktion - unter ihnen Traditionshäuser wie die New York Times oder die Chicago Tribune. Auch kleine Lokalzeitungen, darunter liberale und konservative Redaktionen, nahmen teil. Doch nicht alle Häuser folgten dem Aufruf. So kritisierte zum Beispiel das Wall Street Journal das Vorgehen des Boston Globe. Eine Übersicht der wichtigsten Pressestimmen:

Die New York Times spricht ihre Leserinnen und Leser in einem Kommentar mit dem Titel "Eine freie Presse braucht Sie" direkt an: "Wir sitzen alle im selben Boot." Im Jahr 2018 würden einige der schädlichsten Attacken auf Medienvertreter von Regierungsmitarbeitern kommen. "Es ist absolut richtig, Medien für tatsächliche Fehler zu kritisieren", heißt es. Aber darauf zu beharren, dass unliebsame Fakten "Fake News" seien, sei eine Gefahr für die Demokratie: "Journalisten als 'Volksfeinde' zu bezeichnen, ist gefährlich, Punkt." Die Times fordert außerdem Leserinnen und Leser auf, die Lokalzeitung ihrer Gegend zu abonnieren, sie für Richtiges zu loben und für Fehler zu kritisieren.

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Auch die Washington Newspaper Publishers Association, die mehr als 100 lokale Tageszeitungen im Westküsten-Bundesstaat repräsentiert, schließt sich der Kritik an. "Unsere freie Presse stützt die Rechte von Bürgern unterschiedlichster politischer Standpunkte", heißt es in einem Statement, das wie viele andere journalistische Stimmen aus den gesamten USA auf der Webseite der New York Times aufgelistet ist. Es sei an der Zeit, dass Trump dieses grundlegende und zentrale demokratische Konzept anerkenne und unterstütze.

Die Chicago Tribune betont, dass verbale Angriffe vonseiten der Regierung ideologischen Extremisten Aufwind gebe und die Sicherheit von Journalisten gefährde. Dem schließt sich das regierungsunabhängige Committee to Protect Journalists (CPJ) an und hebt die Rolle führender amerikanischer Politiker im Hinblick auf die Pressefreiheit hervor: Wenn amerikanische Politiker für eine freie Presse eintreten, ermutigen sie Journalisten, die ihr Leben und ihre Freiheit aufs Spiel setzen, um über die neuesten Nachrichten zu berichten. Wenn diese amerikanischen Leitfiguren aber wegfielen, ermutigten sie die Autokraten, die diese Journalisten unterdrücken wollen.

Einige Medienhäuser stehen der Aktion des Boston Globe jedoch kritisch gegenüber, so wie das konservative Wall Street Journal. In einer Kolumne weist Redakteur James Freeman darauf hin, dass die Absichten des Boston Globe ebenjener Unabhängigkeit zuwiderliefen, die die Chefredaktion zu wahren behauptet. "Trump hat genauso das Recht auf freie Meinungsäußerung wie seine Gegner in den Medien." Die Baltimore Sun schreibt, dass man zwar übereinstimme, dass Journalisten nicht als "Volksfeinde" und die Medien nicht als "Fake News" beschimpft werden sollten. Eine koordinierte Aktion von Medien unterstütze allerdings den Eindruck, man verbünde sich gemeinsam "gegen diesen republikanischen Präsidenten".

Auch der Verband Radio Television Digital News Association, der 1200 Sendeanstalten und Webseiten vertritt, warnt seine Mitglieder vor einer Kampagne gegen den Präsidenten. Man sollte darauf hinweisen, dass Journalisten Nachbarn und Freunde seien, die mit ihrer wichtigen Arbeit die US-Regierung zur Rechenschaft zögen. "Ich will sichergehen, dass das positiv bleibt", sagt der Direktor des Verbands. Sie würden sich ins eigene Bein schießen, wenn sie daraus Attacken gegen den Präsidenten oder dessen Anhänger machen würden.

Mittlerweile hat auch US-Präsident Trump auf Twitter die Kampagne der Journalisten kommentiert - mit wenig versöhnlichen Worten: "Die Fake-News-Medien sind die Oppositionspartei. Das ist sehr schlecht für unser großartiges Land... aber wir gewinnen!"

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