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Pressefreiheit weltweit:Italien stürzt auf Platz 73 ab

  • Der Jahresbericht von "Reporter ohne Grenzen" zeigt: Im vergangenen Jahr haben Verstöße gegen die Pressefreiheit um acht Prozent zugenommen.
  • Besonders Journalisten in Krisengebieten berichten unter Lebensgefahr.
  • Auch nichtstaatliche Akteure verhielten sich mitunter "wie Despoten" und behinderten die Arbeit der Presse, erklärte der Vorsitzende der Organisation.
  • Deutschland belegt in der aktuellen "Rangliste der Pressefreiheit" Platz zwölf.

Arbeitsbedingungen von Journalisten haben sich verschlechtert

2014 war kein gutes Jahr für die Pressefreiheit: Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht der Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) haben sich die Arbeitsbedingungen für Journalisten weltweit deutlich verschärft. "Es gab eine allgemeine Verschlechterung", sagte der Vorsitzende der in Paris ansässigen Journalistenorganisation, Christophe Deloire. Er gab "Kriege um Informationen" sowie nichtstaatliche Akteure, die sich "wie Despoten" verhielten, als Gründe an.

ROG spielen damit beispielsweise auf den Einfluss der weltweiten Wirtschaftskrisen auf die Arbeit von Journalisten an, aber vor allem auf die Missachtung der Pressefreiheit und deren Missbrauch durch Akteure wie den Islamischen Staat oder mafiöse Organisationen. Auch Gewalt gegenüber Journalisten bei politischen Demonstrationen zählt hierzu.

3719 Verstöße gegen die Pressefreiheit in 180 Ländern gab es seiner Organisation zufolge zwischen Mitte Oktober 2013 und Mitte Oktober 2014 - das sind acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In zwei Drittel der 180 ausgewerteten Länder habe sich die Lage verschlechtert. In Konflikten wie in der Ukraine oder im Nahen Osten würden Journalisten gezielt erpresst, entführt oder getötet.

Deutschland unter den Top 20

In der "Rangliste der Pressefreiheit" findet sich Deutschland auf Platz zwölf. Das ist eine Verbesserung um zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Italien stürzt ab, Situation in Krisengebieten unverändert schlecht

In einigen europäischen Ländern haben sich laut ROG die Bedingungen jedoch deutlich verschlechtert. In Italien - das um 24 Plätze auf Rang 73 abstürzte - seien viele Journalisten durch Mafia-Drohungen, Anschläge und unbegründete Verleumdungsklagen unter Druck geraten. Äußerst kritisch sei die Lage in der Ukraine: Das Land hat sich um weitere zwei Plätze auf Rang 129 verschlechtert.

Unter Lebensgefahr arbeiten insbesondere Journalisten, die aus den folgenden Krisengebieten berichten:

  • Syrien (177, unverändert)
  • Irak (156, um drei Plätze verschlechtert)
  • Gaza-Krieg zwischen Israel (101, um fünf Plätze verschlechtert) und der Hamas (Palästinensergebiete 140, um zwei Plätze verschlechtert)
  • Südsudan (125, um sechs Plätze verschlechtert).

Auf den letzten vier Plätzen, die Syrien, Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea belegen, veränderte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nichts.

Konfliktparteien versuchten häufig, "Nachrichtenmedien als unabhängige Informationsquellen auszuschalten oder für die Zwecke der eigenen Propaganda einzuspannen", erklärte ROG. Oft diene die Erhaltung der "nationalen Sicherheit" auch als Vorwand für Repressionen.

Russland

So habe Russland (152, um vier Plätze verschlechtert) vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine weitere repressive Gesetze verabschiedet, darunter eine Verschärfung des Verbots, öffentlich zur Verletzung der territorialen Integrität aufzurufen. Dadurch werde "jede Kritik etwa an der Annexion der Krim kriminalisiert", heißt es in dem Bericht. Ähnliches gelte für Thailand, Kasachstan und Ägypten.

USA

Auch die USA (49, um drei Plätze verschlechtert) fielen weiter zurück, weil beispielsweise bei den Unruhen in Ferguson Reporter festgenommen worden seien. Selbst wenn die Medienvertreter innerhalb kurzer Zeit wieder freikämen, sei "die Drohgebärde unmissverständlich", erklärten die ROG.

Nordische Spitzenreiter

Auf den obersten Plätzen liegen Finnland, Norwegen und Dänemark.

Reporter ohne Grenzen bewertet die Pressefreiheit weltweit von Jahr zu Jahr neu. Die Grundlage schaffen für jedes Land Untersuchungen mit 87 verschiedenen Fragen zu Medienvielfalt, Unabhängigkeit, Arbeitsumfeld, Selbstzensur, rechtlichen Rahmenbedingungen, institutioneller Transparenz und Produktionsinfrastruktur.

© SZ.de/dpa/AFP/jobr/ebri/leja
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