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Pressefreiheit:Freiheit und Unfreiheit - sechs Beispiele aus aller Welt

Wie frei Journalisten weltweit arbeiten können - und wo es besonders gefährlich ist

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a) Deutschland

Demonstration von Internetaktivisten für Pressefreiheit

Quelle: Britta Pedersen/dpa

Deutschland steht im Vergleich zu anderen Ländern gut da, für die Top Ten reicht es aber nicht. Auch hierzulande werden Journalisten beschimpft, eingeschüchtert und angegriffen, wie zum Beispiel auf rechten Protestmärschen in Chemnitz 2018. Im Netz kommt es zu Hetzkampagnen gegen Medienschaffende: Aufsehen erregten sogenannte Feindeslisten, auf denen Rechtsextreme Namen und Adressen von Journalisten sammelten. Laut Reporter ohne Grenzen gibt es einen Trend, Journalisten mit Klagen zu überziehen, um sie vor Recherchen abzuschrecken. Außerdem nimmt seit Jahren die Vielfalt der Presselandschaft ab, da große Verlage Zeitungen aufkaufen und Redaktionen zusammenlegen, um Kosten zu sparen. Einbrechende Anzeigenerlöse durch die Corona-Krise dürften diesen Prozess beschleunigen. sigr

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b) Polen

Poles Protest Changes To Constitutional Court

Quelle: Getty Images

Seit dem Amtsantritt der nationalpopulistischen PiS-geführten Regierung und dem 2015 verabschiedeten Mediengesetz hat sich die Pressefreiheit in Polen deutlich verschlechtert. Die Regierung kontrolliert öffentliches Fernsehen und Rundfunk und nutzt beide, um ihre politische Linie zu propagieren und Oppositionelle zu diskreditieren. Kritische Zeitungen wie die Gazeta Wyborcza werden von der Regierung regelmäßig verklagt; außerdem schalten die zahlreichen Firmen im Staatsbesitz keine Anzeigen mehr in der Wyborcza oder den Wochenmagazinen Newsweek Polska oder Polityka. Immer häufiger greift man auf Artikel 212 des Strafgesetzbuches zurück, der die Verleumdung in Massenmedien regelt, vor allem um kritische Stimmen einzuschüchtern. fpol

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c) Bulgarien

Mahnwache für Viktoria Marinowa

Quelle: dpa

Den letzten Platz in der Europäischen Union belegt Bulgarien. Das Land am Schwarzen Meer liegt auf Platz 111 von 180, direkt nach Kuwait und Guinea. Für unzureichende Pressefreiheit sorgt etwa die hohe Medienkonzentration: Der Oligarch und Politiker Deljan Peewski kontrolliert viele Medien. Journalisten werden eingeschüchtert und bedroht - etwa, wenn sie über Korruption und Missbrauch von EU-Mitteln berichten. Laut dem europäischen Media Pluralism Monitor führt der Druck, den Journalisten von Politikern und Geschäftsleuten erleben, bei etlichen zu Selbstzensur. fpol

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d) Tunesien

Proteste in Tunesien

Quelle: dpa

Ein positives Beispiel im sonst für die Pressefreiheit kritischen Nordafrika ist Tunesien: Die Situation hat sich seit der Revolution 2010/2011 deutlich verbessert, in der Rangliste liegt das Land im Vergleich zu 2013 sogar um 66 Positionen höher. "Das Bewusstsein für die Pressefreiheit ist in der öffentlichen Meinung stark gestiegen, deshalb bin ich optimistisch, dass man nicht zurückgehen wird", sagt die tunesische Journalistin Hanène Zbiss. Grund zur Sorge gibt es laut Zbiss durch die Prekarisierung des Journalistenberufs, die Interessenkonflikte von Medienbesitzern und den Versuch vonseiten des Staates, Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Sender zu nehmen. fpol

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e) USA

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Quelle: AFP

Seitdem Donald Trump Präsident ist, leidet die Pressefreiheit. Dieses Jahr liegt das Land auf Platz 45 der Rangliste. Trump selbst greift Journalisten verbal an, bezeichnet sie als "enemy of the people" oder diskreditiert Medien als "fake news", was ein extrem feindseliges Klima für Medien schafft, wie Reporter ohne Grenzen berichtet. Auch gewalttätige Angriffe auf Journalisten kommen immer wieder vor, der schwerste ereignete sich 2018 in Annapolis, als ein Bewaffneter fünf Journalisten der Capital Gazette erschoss. Ein Problem stellt zudem das Zeitungssterben da. Sieben Prozent aller Landkreise haben laut Universität von North Carolina keine Tageszeitung mehr. sigr

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f) Costa Rica

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Quelle: AP

Das kleine Land in Mittelamerika fällt positiv auf: Entgegen einer allgemeinen Verschlechterung der Pressefreiheit in Lateinamerika schafft es Costa Rica neben Uruguay als einziger lateinamerikanischer Staat unter die ersten 20 Plätze und liegt 2020 auf Rang sieben. Journalisten können ungehindert arbeiten, auch dank einer fortschrittlichen Gesetzgebung, wie Reporter ohne Grenzen schreibt. Der Staat hält sich aus der Berichterstattung heraus. Kritisch gesehen werden der große Einfluss einzelner Medienunternehmer und die Konzentration der Berichterstattung auf die Städte. sigr

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