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PR-Kampagne zu "House of Cards":Das Leben imitiert Kunst, die das Leben imitiert

Der reale Kevin Spacey spricht als fiktiver Frank Underwood vor realen Prominenten aus Politik und Wirtschaft. Als er schließlich beschreibt, wie seine Mitbewerber sich derzeit benehmen, sie nämlich "allen in die Nüsse treten", weiß niemand mehr, ob er seine fiktiven Konkurrenten aus der Serie meint, oder doch Trump, Clinton und Konsorten.

"Das Leben imitiert Kunst, die das Leben imitiert." So fasst der Maler des Underwood-Porträts den Gedanken hinter seinem Werk zusammen. Irgendwann verliert man den Überblick, was jetzt "authentisch" ist und was PR. Echte Politik, die in der fiktiven Show verarbeitet wird, um dann im echten Leben wieder aufzutauchen. Die Unterschiede verschwinden. Am Ende wirkt alles wie das Produkt derselben PR-Agentur: Die Wahlwerbespots, die Zusammenschnitte der TV-Debatten (auch Frank Underwood hat eine geführt), die öffentlichen Auftritte - fiktiv wie real.

Frank Underwood ist ein Mittelfinger in Richtung des US-Politikbetriebs

Politik wird als Show verstanden. Donald Trump wendet Rhetorikmittel an, die er sich in seiner Reality-TV-Show angeeignet hat. Sein Stil wird verglichen mit dem eines guten Stand-up-Comedians, der sein Publikum zum Lachen bringt. "Wer jemanden zum Lachen bringt, dem gehört die Sympathie des Zuhörers", meint Barton Swaim im SZ-Interview, ein erfahrener republikanischer Redenschreiber.

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Frank Underwood passt perfekt in dieses Verständnis von Politik. Schon seine Initialien FU senden einen Mittelfinger an alle Regeln, Sitten und Vorstellungen des amerikanischen Politikbetriebs. Er hält der grell ausgeleuchteten Politik-Bühne den Spiegel vor - und lässt die Grenzen von Fiktion und Realität verschwimmen. Zahlreiche Politiker haben schon wissen lassen, dass Washington hinter den Kulissen genauso aussehe, wie in "House of Cards" dargestellt. Man attestiert der Serie, dass sie den Zuschauer nicht nur hinter die Kulissen führt, sondern bis tief in die ungereinigte Toilette der Komparsen-Umkleide hinein.

Frank Underwood als Präsidentschaftskandidat passt deshalb ebenso gut wie Hillary Clinton oder eben Donald Trump. Nach der Enthüllung des Porträts im Smithsonian kokettierte Spacey: "Jetzt bin ich einen Schritt weiter, den Rest des Landes davon zu überzeugen, dass ich wirklich Präsident bin."

Eine ausführliche Rezension der Serie von Cornelius Pollmer lesen Sie mit SZPlus:

© SZ.de/doer/lala/rus
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