Portal Openleaks Wikileaks-Alternative geht online

Deutschland hat seine eigene Enthüllungsplattform: Das Portal Openleaks ist ab sofort im Internet erreichbar. Das gab der Gründer der Website, Daniel Domscheit-Berg, auf einem Hackertreffen bekannt. Die Openleaks-Macher wollen, dass Veröffentlichungen genauer kontrolliert und Tippgeber besser geschützt werden als bei Wikileaks.

Es war seit Monaten angekündigt, nun ist es soweit: Die Internetplattform Openleaks startet ihren Probebetrieb, wie der ehemalige Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg auf einem Hackertreffen des Chaos Computer Clubs in Finowfurt bei Berlin bekannt gab. Sie soll als anonymer "virtueller Briefkasten" eine sichere Adresse sein für alle Whistleblower, also Menschen, die brisante Informationen an die Öffentlichkeit geben wollen.

Openleaks-Gründer Daniel Domscheit-Berg bei der Vorstellung seines Buches "Inside WikiLeaks", einer Abrechnung mit Wikileaks und vor allem mit Julian Assange.

(Foto: AFP)

Die neue Whistleblower-Plattform wird, im Unterschied zu Wikileaks, nicht selbst die Informationen veröffentlichen. Stattdessen arbeitet sie mit Medien und Nichtregierungsorganisationen zusammen, die für die Überprüfung und Publizierung der Informationen zuständig sind.

Bisher haben ihre Teilnahme zugesagt: die Tageszeitung taz aus Berlin, die Wochenzeitung Der Freitag, die portugiesische Wochenzeitung Expresso, die dänische Dagbladet Information sowie die Nichtregierungsorganisation foodwatch. Den Vorsitzenden des Deutschen Journalistenverbands, Michael Konken, freut das: "Wenn Openleaks verantwortungsbewusst betrieben wird, kann es den Journalismus in Deutschland bereichern."

Die Plattform gehe nun erstmal in einen mehrtägigen Probebetrieb. "Jeder, der will, kann sich Openleaks fünf Tage lang ansehen und soll versuchen, die Plattform zu hacken, sie kaputt zu machen oder was auch immer", sagte Domscheit-Berg im Interview mit der taz. Nach dem "Stresstest" solle die Plattform dann ihren geregelten Betrieb aufnehmen.

Der wesentliche Vorteil der neuen Plattform im Vergleich zu Wikileaks sei ein hohes Maß an Anonymitat und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wem man die Informationen zuspielen wolle. Wikileaks hingegen sei, so Domscheit-Berg, zu zentralistisch: "Wenn es erfolgreich funktioniert - und das hat es ja - hat es zu wenig Ressourcen, damit es bei der Annahme, als auch bei der Veröffentlichung von Dokumenten nicht zu massiven Staus kommt."

Transparenz bei den Spenden

Trotzdem sehe er die neue Plattform nicht als Konkurrenz: "Umso mehr Whistleblower-Plattformen es gibt, desto besser."

Bei der Finanzierung des neuen Projekts habe man "quasi das alte Wikileaks-Modell wieder eingeführt." Das heißt: Die Mitarbeit müssten sich selbst darum kümmern, wie sie ihr Geld verdienen. Von den Medienpartnern erwarte man nur eine Beteiligung an den "Fixkosten". Mittelfristig sei die Gründung einer Stiftung geplant. Die Verwendung der bisher eingegangenen Spenden soll auf der Seite transparent gemacht werden.

Bisher scheint die Plattform den Angriffen der Hacker standzuhalten. Die Openleaks-Portale, die die Zeitungen und foodwatch eingerichtet haben, funktionieren hingegen noch nicht.

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