Porträt "Finsternis ist gut"

Liebt die dunkle Seite der Macht: Steve Bannon.

(Foto: Reuters)

Steve Bannon, der frisch gekürte Chefstratege des designierten US-Präsidenten Donald Trump, erklärt, was er für die Macht hält.

Von Willi Winkler

Vielleicht ist es nur eine Medienmärchengeschichte. Steve Bannon kommt aus einem demokratischen Arbeiterhaushalt, diente Jahre in der Navy und an der Wall Street bei Goldman Sachs, war Mitarbeiter von Bill Clinton, hat Filme produziert und ein kleines Vermögen mit der Serie "Seinfeld" verdient. Soeben wurde er vom Wahlsieger Donald Trump zum Chefstrategen bestellt.

Für viele ist er der leibhaftige Gottseibeiuns; der New York Times-Kolumnist Roger Cohen bezeichnet ihn schon als "Propagandaminister". Wie Bannon im Hollywood Reporter bekannt macht, schwebt ihm schwebt nichts Bescheideneres als eine "Revolution" vor, ein Amerika, in dem die Politik sich um die einheimischen Arbeiter kümmert, deren Fabriken ins Ausland verlagert wurden.

Der bald 63-jährige Bannon wurde berüchtigt als Chef des Internet-Portals Breitbart, das ihren Ruhm Geschichten verdankt, die selbst der Bild-Zeitung nur an ihren dümmsten Tagen eingefallen wäre, etwa "Empfängnisverhütung macht Frauen unattraktiv und verrückt". Die Website fördert den Krawall gegen alles, was als urban, liberal und weltoffen gilt, will es aber nicht gewesen sein, wenn sich dort chauvinistische, rassistische, auch antisemitische Kraftmeier austoben. Er sei kein "weißer Nationalist, sondern Nationalist, Wirtschaftsnationalist", erläutert Bannon seine Haltung. Fox News sind ihm zu lasch, ihr Besitzer Rupert Murdoch zu wenig amerikanisch. Rücksichten kennt Bannon nicht, er operiert gleich als Fürst der Finsternis. "Finsternis ist gut", sagt er und beschwört eine dunkle Dreifaltigkeit: sie besteht aus George W. Bushs Vize Dick Cheney, Darth Vader aus "Star Wars" und dem Satan persönlich. Das sei die Macht, und damit hat er die Wahl für Trump gewonnen.

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Bannon sieht sich bereits historisch und vergleicht sich mit Thomas Cromwell, der im 16. Jahrhundert Heinrich VIII. als Lordkanzler diente. Allerdings fiel der gewiefte Taktiker irgendwann in Ungnade und wurde auf Befehl seines immer unberechenbaren Königs geköpft.