"Porco Rosso" auf Arte Schwein mit Herz

Szenenbild aus Porco Rosso auf Arte

Im Zeichentrickfilm "Porco Rosso" von Oscar-Preisträger Hayao Miyazaki übernimmt ein Wasserflugzeug fliegendes Schwein die Hauptrolle. Eigentlich aber geht es um das männliche Prinzip zwischen den Weltkriegen und widersprüchliche Helden.

Von Markus Mähler

Ein Mädchen und ein Kuss erlösen Porco Rosso von seinem Fluch - oder auch nicht. Anime-Regisseur und Oscar-Preisträger Hayao Miyazaki lässt am Ende die Phantasie des Zuschauers entscheiden, ob aus dem Schwein, das fliegen kann, wieder ein Mensch werden darf. Ein ambivalentes Ende für einen widersprüchlichen Helden im Wasserflugzeug.

Porco Rosso ist hässlich, korpulent, zynisch, grob, chauvinistisch. Sein Stiernacken nimmt mussolinihafte Züge an, unter dem Rüssel wächst ein Schnauzer. Einst ein Fliegerass in der Armee, ließ er seine Kameraden im Stich und desertierte. Was ihn noch antreibt, ist das Kopfgeld für die Jagd auf Piraten in der italienischen Adria.

Aber nicht nur das Schwein ist verflucht, sondern gleich das ganze männliche Prinzip: Dieses fiebert nach dem Ersten Weltkrieg dem Zweiten entgegen und weiß nicht, wohin mit seiner Kraft. Miyazaki zeigt es gefangen zwischen Faschismus, Waffen, Flugzeugen, Schmieröl, Schraubenschlüsseln und Machogehabe. Porco Rosso wird vom Himmel geschossen, doch Gina und Vio retten ihn. Zwei Frauen, die schlauer, mutiger und begabter sind als alle Männer in Miyazakis Film.

Von Flugzeugen besessen

Der Regisseur will sich 2013 mit seinem neuesten Film The Wind Rises in den Ruhestand verabschieden. Auch dort greift der 72-Jährige das Fliegen auf. Das Flugzeug fasziniert ihn, es zieht sich durch alle seine Werke. In Porco Rosso setzte er diese Besessenheit so akribisch um wie in keinem anderen Film.

Miyazaki wurde als Sohn eines Tokioter Flugzeugunternehmers geboren. Sein Vater produzierte für die japanische Kriegsmaschine. Bereits mit drei Jahren erlebte er Zerstörung und Vertreibung, wurde später ein vehementer Kriegsgegner. Die Haltung gegen den Faschismus teilt der Film mit Casablanca, auch den melodramatischen Plot. Am Ende handelt Porco Rosso wie Humphrey Bogarts Rick - weil er die Frauen ziehen lässt, die er liebt.

Porco Rosso, Arte, 20.15 Uhr.