Polizeiruf aus München Schwer rauszufinden, wer hier noch schützt und wer schon hetzt

Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) in seinem vorletzen Fall.

(Foto: dpa)

Der vorletzte Polizeiruf mit Hanns von Meuffels ist eine Zumutung - weil er in seiner Heftigkeit ansatzlos an die Realität andockt.

Von Holger Gertz

Am Anfang fährt die Kamera durch ein dämmeriges München, leise Klaviermusik, das Brummen von Motoren. Am Anfang könnte auch noch eine gewöhnliche Beschreibung der Stadt und ihrer geföhnten Menschen dabei rauskommen, denn am Anfang sitzt Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) im Büro und probiert seine handgenähten Treter aus der Residenzstraße an. Aber dann wird dieser Polizeiruf 110 vom BR eine harte Studie des Zerfalls, Jan Bonny hat das Stück inszeniert, nach einer Idee von Günter Schütter.

Schon ihre exzellente Episode "Der Tod macht Engel aus uns allen" spielte im runtergewohnten München, bei den Wichskinos hinterm Hauptbahnhof, ein Panoptikum kaputter Menschen und kaputter Münchner Polizisten und mittendrin Lars Eidinger als transsexuelle Tänzerin und Freundin eines Mordopfers. Das war 2013, und damals waren es immerhin noch zwei, die versuchten, die Hälften der Welt zusammenzuhalten: der Kommissar und die Tänzerin. Fünf Jahre später fehlt Hanns von Meuffels ein Komplize, der Kommissar ist am Ende. Dies ist sein vorletzter Fall.

Wenn dieser Film eine Zumutung ist, dann ist die Realität erst Recht eine

Ein junger Syrer soll eine Frau belästigt haben, da haben ihn vier junge Männer zerstört, Tritte, Schläge, den Kopf so weit nach hinten gebogen, dass die Wirbel aus der Halswirbelsäule rausgebrochen sind. Die vier sind Unerreichbare, komplett unempfänglich für gutes Zureden und Drohungen. Gefühle von Reue und Schuld werden in der ranzigen Stammkneipe weggesoffen und weggelabert und weggelacht, über der Szene liegt das Keckern von Beavis und Butt-Head, allerdings im bitterbösen Sound der Rechten des Jahres 2018. "Ihr seid Mörder, ihr habt Angst. Und irgendwann macht ihr einen Fehler", sagt Meuffels, aber nur bei einem aus der Gruppe scheint er leise Resonanz zu finden, einem Jungen mit persischen Wurzeln, der auch vom Verfassungsschutz umworben wird, in Gestalt des Abgesandten Peter Röhl (Joachim Król).

Und so wird in "Das Gespenst der Freiheit" der einsame Kampf des Kommissars immer einsamer, denn der Verfassungsschützer lacht so berauscht wie die rechten Schläger und führt den Teilbegriff "Schützer" zu Unrecht in der Berufsbeschreibung. Es ist schwer rauszufinden, wer hier noch schützt oder wer schon hetzt, und an dieser Stelle dockt die Geschichte ganz ansatzlos an die Echtwelt an, in der ein wahrhaftiger bayerischer Ministerpräsident von Asyltourismus redet und ein wahrhaftiger NRW-Innenminister die Gerichte dazu auffordert, auf Volkes Stimme zu hören. Wenn dieser heftige Film eine Zumutung ist, dann ist die Realität erst recht eine Zumutung.

"Eines Tages wird Ihnen das alles um die Ohren fliegen", sagt der deprimierte Kommissar, und der Verfassungsschutzmann fragt: "Wollen Sie damit auf ewig weitermachen?"

Eine Folge noch, dann wird wenigstens Hanns von Meuffels frei sein.

Polizeiruf 110, "Das Gespenst der Freiheit", Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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