"Polizeiruf 110" aus Magdeburg Alles nach alter Tradition

Ben Becker als lebensmüder Vater ist im Polizeiruf 110: Crash zwar eindrucksvoll, aber auch anstrengend.

(Foto: Stefan Erhard/dpa)

Ohne Zeitsprünge und verschiedene Erzählebenen erinnert dieser "Polizeiruf" an früher. Aber dann wirkt "Crash" aus Magdeburg doch zu gestelzt.

Von Holger Gertz

Dieser Polizeiruf ist ein Erholungsprogramm für jene Zuschauer, denen der Sonntagabendkrimi mit seinen Zeitsprüngen und verschobenen Erzählebenen zu anspruchsvoll geworden ist. Dass die Krimiautoren doch mal bitte wieder eine Geschichte über einen einfachen Bankraub erzählen sollen, ist regelmäßig der dringende Wunsch strenger Kommentatoren im Netz - die Magdeburger tun diesmal, was sie können.

Einen Bankraub haben sie zwar nicht im Angebot, dafür eine Geschichte über Raser, die bei ihren illegalen Rennen in der Nacht ein Mädchen überfahren haben. Wer isses denn nu gewesen? Wer in alter Tradition mitraten möchte, bekommt alles geliefert, was er dazu braucht. Die verdächtigen Kandidaten werden etwas zu ausgiebig vorgestellt, das berühmte verräterische Detail wie in den guten alten Krimis der verklärten Siebziger fehlt auch nicht.

Regisseur Torsten C. Fischer und Autor Wolfgang Stauch hätten "Crash" routiniert runtererzählen können, dann wäre ein solides Stück dabei herausgekommen, Preisklasse Ballauf & Schenk. Aber sie haben ja, um im Bild zu bleiben, ganz schön PS unter der Haube, nämlich die herausragenden Ermittlerdarsteller Claudia Michelsen und Matthias Matschke. Die sind zu gut für Dutzendware, also wird der Polizeiruf 110 gepimpt, die Geschichte mit einer Dialogwucht aufgeladen, dass man irgendwann nicht mehr hinhören mag. Denn was sich lebensklug oder abgeklärt anhören soll, wirkt in dieser Menge dann doch versülzt. "Das einzig Gute am Tod ist, dass man sich nicht mehr vor ihm fürchten muss, wenn man tot ist. Das ist aber auch das einzig Gute." - "Die Vergangenheit heißt Vergangenheit, weil sie vergangen ist." Die Bäckereifachverkäuferin spricht vom "Ableben des Wellensittichs".

Dialoge auf Stelzen, weltfremd. Dafür ein gleißend ausgeleuchtetes Riesenrad als Symbolbild fürs Leben, das sich anstrengenderweise ja immer weiterdreht. Die Kommissare arbeiten schon zwei Jahre zusammen, müssen sich anstrengenderweise aber immer noch kennenlernen. Ben Becker als trauernder Vater der Getöteten ist natürlich eindrucksvoll, aber auch ein bisschen anstrengend, wie er da auf der Balkonbrüstung sitzt und seine Lebensmüdigkeit ausstellt, aber immerhin nicht abstürzt. Dieser Polizeiruf allerdings hängt im Ganzen einigermaßen durch.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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