"Ich bin ein Mensch, der gerne geht, wenn es am schönsten ist", schreibt Verena Altenberger auf Twitter, "es zieht mich weiter und ich suche mir neue Herausforderungen." Die österreichische Schauspielerin steigt überraschend beim Münchner Polizeiruf 110 aus und sagt zum Abschied "leise Servus und Bussi Baba". Als Fan der Reihe vernimmt man das ein bisschen düpiert: Von wegen gehen, wenn es am schönsten ist! Die 34-Jährige war als Ermittlerin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff seit 2019 gerade mal fünf Folgen lang im Einsatz. Ein sechster, letzter Fall mit ihr (Arbeitstitel: Paranoia) soll im Herbst gedreht und im Frühjahr 2023 ausgestrahlt werden. Das war es dann schon. Dabei hätte es mit dieser Schauspielerin in dieser Rolle noch viel schöner werden können. "Auserzählt", wie es bei anderen Serienabschieden gerne heißt, war ihre Figur noch lange nicht. Im Gegenteil: Bessie Eyckhoff begann als Charakter gerade erst Konturen anzunehmen. Man weiß, dass sie empathisch ist, doch über Bessies Privatleben weiß man so gut wie nichts.
Der Bayerische Rundfunk scheint nicht minder überrascht zu sein als die Zuschauer
Auch für den zuständigen Bayerischen Rundfunk scheint Altenbergers Ausstieg überraschend gekommen zu sein. Man bedauere ihren Weggang sehr, heißt es von Seiten des Senders. Mit diesem plötzlichen Personalproblem steht er allerdings nicht alleine da. Auch der Brandenburger Polizeiruf, verantwortet vom RBB, verliert seinen Hauptermittler: Lucas Gregorowicz, seit 2015 als Kriminalhauptkommissar Adam Raczek für die deutsch-polnische Mordkommission im Grenzort Swiecko im Einsatz, hat ebenfalls seinen Ausstieg aus der ARD-Krimireihe angekündigt. Auch er geht offenbar auf eigenen Wunsch.
Die Folge Polizeiruf 110: Abgrund, die in diesem Frühjahr gedreht wurde, wird Ende des Jahres seine 13. und letzte sein. Na so was. Wo der oft ungestüme Adam Raczek, eine Art polnischer Schimanski, trotz seines zunehmenden Tablettenproblems ein Sympathieträger, doch gerade erst einen neuen Kollegen zur Seite bekam. Bis 2020 bildete er mit Olga Lenski (Maria Simon) ein polnisch-deutsches Ermittler-Duo. In diesem Jahr wurde ihm der queere Vincent Ross zugeteilt, gespielt von dem erfreulichen André Kaczmarczyk, der bei seinem Einstand gleich mal Rock und Kajal trug. Das wird hoffentlich nicht das Problem gewesen sein?
Wie auch immer. Die Fluktuation beim Polizeiruf - und zuletzt ja auch in den Tatort-Kommissariaten, siehe etwa den Abschied von Anna Schudt oder Meret Becker - ist erstaunlich. Und bedauerlich. Im Fall von Verena Altenberger schon deshalb, weil sie ja noch nicht einmal richtig hineingewachsen war in die Figur, diese jedoch als Ausnahmeerscheinung im Sonntagsabendkrimibusiness in jeder Folge leuchten ließ, immer ein bisschen anders und anders schön, anfangs noch als Streifenpolizistin und Kriminaloberkommissarin, zuletzt selbstbewusst mit Kurzhaarschnitt. Ihre Bessie Eyckhoff ist oft mehr Psychologin als Kriminalerin, eine Frau mit so viel Wärme, Offenheit und Zugewandtheit, mit einem so klaren und menschlichen Blick, dass man sie gerne noch länger begleitet hätte. Altenberger wird einem als Schauspielerin nicht verloren gehen (schon von nächster Woche an ist sie wieder die Buhlschaft im Salzburger "Jedermann"). Sorgen muss man sich wohl eher um den Polizeiruf.

