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"Polizeiruf 110" aus Magdeburg:Die Kühe reißen es auch nicht mehr raus

ARD zeigt Magdeburger 'Polizeiruf 110: Tod einer Toten'

Lemp (Felix Vörtler) erscheint geschockt am Tatort und erfährt von Brasch (Claudia Michelsen) von dem Mord an Jessica.

(Foto: Stefan Erhard/dpa)

Eindeutig zu viel Personal: Der "Polizeiruf 110" bleibt emotional an der Oberfläche - die Dramaturgie funktioniert nur wegen des ein oder anderen Kniffs.

Von Holger Gertz

Dieser Polizeiruf 110 vom MDR folgt ganz klassisch dem Prinzip der allmählichen Aufklärung eines Verbrechens, "Whodunit" sagt in solchem Fall der Krimifreund. Der Whodunit soll zum Mitraten einladen, entsprechend unterkomplex stellt er sich oft dar. So wie leider auch hier in der Magdeburger Episode "Tod einer Toten" von David Nawrath, der gemeinsam mit zwei anderen Autoren auch das Drehbuch geschrieben hat.

Los geht's mit einer gängigen Sequenz aus der deutschen Fernsehkrimigeschichte. Autofahrer überfährt nachts eine Person, haut ab und ist fortan im Räderwerk des Schicksals gefangen (vgl. die Derrick-Folge "Abitur" und natürlich den legendären Tatort "Blechschaden" von Wolfgang Petersen). Diesmal ist es Kriminalrat Lemp (Felix Vörtler), der betrunken mit einem jungen Mann zusammenstößt, aber als er am nächsten Morgen panisch an die Unglücksstelle zurückkehrt, ist da kein verletzter Mann mehr, sondern eine hingerichtete Frau - und das ist nur der Auftakt mehrerer sehr konstruiert wirkender Zufälligkeiten.

Die Frau war angeblich schon vor Jahren gestorben, hatte ihren Tod aber nur vorgetäuscht. Es entwickelt sich dann eine wilde Geschichte um Zweitexistenzen, Drogenhandel und Familienkriege. Zu viele Handelnde, zu viele Teilschicksale (der schuldbeladene Ermittler, das verhärtete Familienoberhaupt, das verlassene Kleinkind), was dazu führt, dass man mit keinem tatsächlich mitempfindet. So bleibt das Stück emotional an der Oberfläche und dramaturgisch abhängig von manchmal abenteuerlichen Hilfskniffen: Jemand rennt der Polizei davon und springt ins Auto von exakt jener Person, die gebraucht wird, um die Geschichte weiterzutreiben.

Neben all den leidenden Menschen treten auch wunderbare und offensichtlich nicht leidende Kühe auf, reißen es aber auch nicht mehr raus.

Polizeiruf 110. Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

© SZ/ebri/tyc
Titel: Tatort: Die Wahrheit; Untertitel: Szenenfoto;

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