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"Polizeiruf 110" aus Magdeburg:Die Jogginghose nicht im Griff

Claudia Michelsen als Hauptkommissarin Doreen Brasch in Polizeiruf 110 Totes Rennen

Macht es dem Zuschauer leicht, sie zu mögen: Claudia Michelsen als Hauptkommissarin Doreen Brasch.

(Foto: MDR / Stefan Erhard)
  • Im neuen Polizeiruf 110 aus Magdeburg geht es um Spielsucht, Rennbahnen und verdeckte Ermittler.
  • Insgesamt wird "Totes Rennen" von seinen Darstellern gerettet: Einer der Gründe dafür, bei diesem Krimi dranzubleiben, ist Martin Semmelrogge in einer wahnwitzig räudigen Rolle.
  • Spannend wird es dagegen erst spät.

Dieser Polizeiruf 110 aus Magdeburg spielt im Sportwetten-Milieu und macht es einem schwer, ihn zu mögen. Das fängt damit an, dass die Folge "Totes Rennen" mit wirren, dramatischen Szenen beginnt, die rot getönt sind und aussehen wie ein Fotolabor aus der analogen Zeit. Mit der Tönung wird verdeutlicht, dass Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) etwas träumt. Irgendwie hat man auch gleich den Eindruck, dass diese Szene mit dem Fall zu tun haben könnte, von dem Brasch noch gar nichts weiß und der die nächsten 90 Minuten Sonntagabend füllen wird. So kommt es auch. Mystery! Der Zuschauer ist ja nicht blöd: Irgendeinen sinnfreien Traum der Brasch würden einem Stefan Dähnert und Lion H. Lau (Drehbuch) und Regisseur Torsten C. Fischer schließlich kaum erzählen. Obwohl das mal was Neues wäre.

Schwer machen es auch Szenen wie die, in der Rechtsmediziner Muser (Henning Peker) den Toten begutachtet, der am Ufer der Elbe liegt. Die Leiche trägt Freizeitkleidung und Muser merkt auf: "Wie sagte doch Karl Lagerfeld? Wer Jogginghosen trägt, hat sein Leben nicht im Griff." Was soll man sagen? Ein Film mit solchen Sätzen hat seine Jogginghose nicht im Griff? Doreen Brasch dagegen macht es einem diesmal leicht, sie zu mögen. Sie ist wieder ganz bei sich, also allein. Matthias Matschke hat sich mit der letzten Folge geräuschlos als Hauptkommissar Köhler verabschiedet, vor ihm hatte sich Sylvester Groth als Hauptkommissar Drexler verabschiedet. Brasch raunzt als einzigen Erklärsatz: "Wieso laufen uns eigentlich immer die Kollegen weg? Liegt das an mir?" Man sieht sie viel zu Fuß gehen, halsstarrig einsam sein und unbedarfte Dinge tun, was dem Charakter der Rolle schön entspricht, aber auch eine gewisse Bühne braucht.

Zwischendurch immerhin: sehr schöne kleine Sätze über die Elbe

Es geht um Spielsucht, Rennbahnen und verdeckte Ermittler in dieser Folge. Der Mann aus Braschs Traum stellt sich ihr bei Tag als LKA-Kollege Kehr vor. Kehr ermittelt im Wett-Milieu. "Betreten Sie nicht diese Welt!", mahnt er. Da muss sie es natürlich erst recht tun.

Gründe dafür, bei diesem Krimi dranzubleiben, liefern Martin Semmelrogge in einer wahnwitzig räudigen Rolle sowie zwischendurch feine kleine Sätze über die Elbe. Hauptsächlich aber retten die gemeinsamen Szenen von Brasch, Kehr und Kriminalrat Lemp diesen Polizeiruf, also Michelsen, Michael Maertens und Felix Vörtler. Da merkt man, es geht wirklich um etwas, da wird es dicht und intensiv. Plötzlich ist es spannend.

Mit dem LKA-Mann Kehr versteht sich Frau Brasch auffallend gut. Er bittet um Versetzung in ihre Abteilung. Wird er ihr neuer Kollege? Aber im deutschen Fernsehen hält sich sogar der Traum, der alles weiß, an die Regeln und spoilert selbstverständlich nicht.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

© SZ vom 15.02.2020/tmh
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