"Polizeiruf 110" aus Brandenburg Unter Wölfen

Polizeiruf 110: Wolfsland

Im "Polizeiruf 110" aus Brandenburg sterben Menschen und Tiere. Der Versuch, aus den Naturaufnahmen à la "Der mit dem Wolf tanzt" einen Krimi zu stricken, misslingt dabei nur teilweise.

Von Katharina Riehl

Der wilde Westen der Bundesrepublik liegt im Nordosten, jedenfalls ist die Lausitz offenbar der Ort, an dem man mit dem Wolf tanzt. Stephan Waldner, ein verloren wirkender Typ mit Jute-Rucksack, sitzt in einer Sand- und Steinlandschaft auf der Erde, er hat ein Feuer gemacht, er schläft heute Nacht bei den Wölfen, seinen Wölfen.

Am Morgen aber wird einer aus dem Rudel tot sein, erschossen von Wolfshassern aus dem Ort in der Nähe, die alle riesige Gewehre besitzen und mit John-Wayne-Blick, aber ohne Pferd durch die ostdeutsche Ödnis irren. Und damit ein Fall für die Mordkommission daraus wird, stirbt bald auch noch ein Mensch.

Einsamer Wolf

Fabian Hinrichs, der in Franken nun selbst zum Sonntagabend-Kommissar befördert wird, spielt den einsamen Wolf Stephan Waldner. Er ist die interessanteste Figur in diesem Polizeiruf-Ensemble, das sich bei einer kleinen Familienaufstellung sehr simpel in Gut und Böse sortieren lässt: Da ist die gnadenlose alte Dame im Herrenhaus, da ist der fiese Saubermann mit der adretten Gattin (Alexander Beyer und Ulrike C. Tscharre), das ist der im Grunde aufrechte, aber moralisch verirrte Veterinär (Götz Schubert). Und dazwischen Maria Simon als Kommissarin, die ihr kleines Kind vermisst und auch sonst das Herz einfach voll am rechten Fleck hat.

Der Polizeiruf des RBB ist nicht total misslungen, aber gesehen haben muss man ihn auch nicht. Anfangs, als der Wolf stirbt, und irgendjemand mit einem der vielen Gewehre auf den Bauwagen des Wolfsfreundes ballert, da lässt einen die Geschichte noch eine ganze Weile sehr schön im Ungewissen. Einfach, weil lange nicht klar wird, wie man aus all den tollen Bildern von Tier und Natur jetzt noch einen klassischen Krimi stricken will.

Ein klassischer Krimi

Am Ende ist es dann natürlich ein ziemlich klassischer Krimi, sogar mal wieder einer mit düsterer DDR-Vergangenheit. Die Figuren sagen Sätze, bei denen sich jeder halbwegs intelligente Zuschauer fragt, wer jemals so kommunizieren würde, wenn nicht ein Drehbuchautor gedacht hätte, dass der minder intelligente Zuschauer es sonst nicht kapieren könnte.

Der fiese Saubermann und seine Gattin, nur zum Beispiel, stehen morgens auf dem Balkon, der Bruder der Gattin, dem sie sehr nahe stand, ist in der Nacht davor erschlagen worden, was die Nachrichtenlage in so einer Familie im Normalfall ja wohl dominieren dürfte. Der Dialog dazu aber geht so: Sie: "Bleibst du heute zu Hause?" Er: "Die Sache mit deinem Bruder . . . Ich gehe heute später ins Büro."

Die Wölfe haben glücklicherweise keinen Text.

Polizeiruf 110, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.